“Seit 22 Jahren kommen wir auf unserem Hof ohne Antibiotika aus”

Die Welt-Antibiotika Woche findet in diesem Jahr vom 18. bis 24. November statt. Der Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH) hat mit Menschen gesprochen, die in ihrer täglichen Praxis zu entscheiden haben, welches die beste Therapie für ihre Patienten ist.

Birgit Gnadl ist landwirtschaftliche Beraterin, Dozentin und Beirätin für ganzheitliche Tiergesundheit. Mit dem Schwerpunkt „Ganzheitliche Tiergesundheit mit Homöopathie“ unterrichtet sie in Landwirtschaftsschulen und berät Bio-Verbände wie Bioland, Naturland oder Demeter und viele namhafte Molkereien, ist aber auch für eine Vielzahl von Landwirtschaftsämtern und -kammern in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig. In Baden Württemberg werden Homöopathie-Seminare im Zuge der Öko-Förderung seit vielen Jahren staatlich gefördert. Die homöopathisch arbeitenden Landwirte sind überwiegend Milchviehhalter, hierbei sind etwa 80 Prozent konventionell wirtschaftend und 20 Prozent sind Biobetriebe.

Neben der Tätigkeit als Tierheilpraktikerin und Dozentin bewirtschaftet Birgit Gnadl mit ihrer Familie einen modernen Bio-Milchviehbetrieb mit 45 Kühen im Chiemgau. Seit 22 Jahren ist der eigene Betrieb Antibiotikafrei. Es wird nur mit homöopathischen Einzelmitteln behandelt. Seit sechs Jahren werden Homöopathika teilweise sogar über den Melkroboter mit Hilfe des IGARI®-Homöopathie Sprühsystems den Kühen auf die Nase gesprüht. Dadurch ist auch der „Placebo by Proxy-Effekt“ – also Placebo durch Zuwendung – ausgeschlossen.

Welche Erkrankungen werden hauptsächlich im Nutztierbereich behandelt?

Je nach Kenntnisstand des Betriebsleiters werden alle täglich anfallenden gesundheitlichen Probleme und Krankheiten meist eigeständig oder in Absprache mit dem Hoftierarzt mit Homöopathie behandelt. Hierzu gehört beispielsweise die Geburtsbegleitung, unterstützende Behandlungen bei akuten und chronischen Mastitiden (Euterentzündung), Kälberdurchfall, Fruchtbarkeitsprobleme, Klauen und Gelenksprobleme und noch vieles mehr.

Es gibt aber auch im Bereich der Virus- und Infektionskrankheiten viele Möglichkeiten der homöopathischen Behandlung, wo ansonsten keine konventionelle Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung steht, z.B. bei Clamydien-Infektionen (bakteriell ausgelöste Geschlechtskrankheiten), Staphylokokken-Infektionen, Rota-corona-Durchfälle u.a. mehr.

Wie sieht Ihre Erfahrung aus, können Landwirte bei der Behandlung von Tieren Antibiotika durch Homöopathika ersetzen?

Ja, das ist möglich und wird seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert. Wir können sowohl bei akuten als auch bei chronischen Erkrankungen Antibiotika durch Homöopathie deutlich reduzieren.

Wie ist der Krankheitsverlauf, wenn Sie Homöopathika einsetzen – unterscheidet er sich, zur konventionellen Behandlung?

Der Krankheitsverlauf durch den Einsatz von Homöopathie ist gerade bei akuten Krankheitsfällen (Rindergrippe, Mastitis) meist besser als bei der konventionellen Medizin. Die Eigenregulation der Tiere bleibt deutlich besser erhalten und es zeigt sich eine sehr gute Rekonvaleszenz, zudem gibt es kaum Rückfälle. Chronische Erkrankungen können im Nutztierbereich erfahrungsgemäß nur mit Homöopathie geheilt werden, beispielsweise chronische Mastitiden, aber auch viele Probleme wie Saugstörungen bei Kälber oder Verhaltensstörungen bei den Tieren, Antibiotika-Resistente Fälle werden teilweise ausschließlich mit Homöopathie behandelt.

Begleiten Sie die homöopathische Therapie engmaschiger als die konventionelle?

Das richtet sich tatsächlich sehr stark nach dem Problem. Manche akute Behandlungen bedürfen mehrerer Arzneigaben, bei anderen Behandlungen ist eine einmalige Gabe ausreichend. Im Vergleich zum Einsatz konventioneller Medizin ist die Homöopathie gerade am Anfang etwas aufwändiger. Nach mehreren Jahren jedoch reduzieren sich die Behandlungen durch die erlangte Gesundheitsstabilität im Bestand merklich.

Wie hoch schätzen Sie in Prozent die Antibiotika-Reduzierung in den Betrieben?

Durch Evaluierungen, die von Molkereien durchgeführt wurden, konnte im ersten Jahr eine durchschnittliche Antibiotika-Reduktion von 20 Prozent und nach drei Jahren von 80 Prozent festgestellt werden.

Bitte schildern Sie uns kurz einen Fall

5. November 2019: Ein neugeborenes Kalb in einem Milchviehbetrieb hatte sofort nach der Geburt Probleme beim Saugen und entwickelte dann am dritten Tag eine Hirnrinden-Nekrose, welche nach Konsultation des Tierarztes diagnostiziert und sofort mit Antibiose, aber leider erfolglos behandelt wurde. Das Kalb konnte nicht mehr aufstehen und lag mit überstrecktem Kopf in seiner Box. Es wurde vom Tierarzt die Euthanasie in Erwägung gezogen. Die Landwirtin behandelte das Kalb dann mit dem homöopathischen Mittel Cicuta virosa C200 – dem Wasserschierling – in einer zweimaligen Gabe, am nächsten Tag stand das Kalb selbständig. Nach weiteren drei Tagen war es soweit genesen, dass es umherlaufen konnte. Das Kalb wird derzeit noch weiterbehandelt, die Antibiose hatte als Nebenwirkung verdickte Karpalgelenke ausgelöst.

Wie reagieren die Landwirte auf Ihr Angebot?

Landwirte wollen sich bewusst und vermehrt selber mit den Problemen im Stall auseinandersetzen. Der Hof-Tierarzt hat häufig nicht die Zeit, gerade bei Bestandsproblematiken, auf mögliche Ursachen einzugehen. Zudem gibt es kaum Nutztierärzte die Homöopathie anwenden. Die Kenntnisse eignen sich Landwirte und Bäuerinnen dann in Seminaren an. Landwirte wollen hier selbst tätig werden und die Bereitschaft zur Fortbildung ist – trotz der hohen Belastung der Landwirte – sehr gut. Das Interesse für Homöopathie-Seminare steigt stetig, derzeit haben wir etwa 2500 Kursanmeldungen jährlich, alleine in Deutschland.

…warum setzen Landwirte auf Homöopathie?

„Wenn nichts mehr wirkt und dir die Tiere samt dem Tierarzt wegsterben, dann musst` was ändern“ – diesen sehr vielsagenden Satz hören wir oft. Tiere sterben trotz intensiven tierärztlichen Behandlungen, gerade oft auch auf Grund von Resistenzen. Dazu kommt, dass inzwischen immer häufiger in einzelnen Regionen tatsächlich ein deutlich zunehmender Tierarztmangel vorherrscht. Eine flächendeckende tiermedizinische Versorgung ist nicht mehr überall gewährleistet, z.B. in Bergregionen wie im Schwarzwald, aber auch in Tirol und Südtirol. Es gibt homöopathisch arbeitende Betriebe, die jahrelang keine Antibiose brauchen. Eine Euterentzündung bei einer Kuh kostet im Normalfall etwa 350 bis 500 Euro. Hier sind die Behandlungen und der daraus entstehende Milchverlust mit eingerechnet. Verwendet der Landwirt homöopathische Mittel, kostet ihn das etwa 7 Euro und er wird die Milch ohne Bedenken an seine Kälber verfüttern können. An die Molkerei liefert er die Milch nicht, denn krankhaft veränderte Zellen, die durch die Entzündung entstehen und in der Milch messbar sind, dürfen nicht in die Konsummilch gelangen.

Was passiert eigentlich mit der antibiotikabelasteten Milch?

Jährlich gibt es etwa 500 Mio. Liter Antibiotikamilch in Deutschland. Diese sogenannte Hemmstoff-Milch können Landwirte nicht gesondert oder sicher entsorgen. Es ist nicht geregelt und es erfolgt auch seitens der Politik keine Vorgabe oder Kontrolle. Gängige Praxis ist, diese mit Antibiotika belastete Milch an Kälber zu verfüttern oder in die Umwelt, etwa mit der Gülle auf die Felder zu entsorgen. Die offizielle Empfehlung: „Antibiotikamilch soll durch konzentriertes Verschütten ins Erdreich entsorgt werden“, wird nicht praktiziert, da es vor Ort zur starken Geruchsbelastung kommt und auch der finanzielle Wert der entsorgten Milch etwa bei 6.500 Euro/Betrieb liegt. Wenn man bedenkt, dass ein Landwirt für ein männliches Holstein Kalb nur etwa 8,50 Euro bekommt, dann ist diese Vorgehensweise nicht verwunderlich. Landwirte haben also bisher keine andere Möglichkeit diesen „Sondermüll“ zu entsorgen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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