Wird die australische Homöopathie-Studie von 2015 zurückgezogen?

26.09.2020. Dr. Alexander Tournier ist in Paris aufgewachsen, hat in Cambridge und Heidelberg Physik studiert und war 10 Jahre in der Krebsforschung in England tätig. 2007 gründet er das Londoner Homeopathy Research Instituts (HRI).

Hintergrund: Der australische Nationale Rat für Gesundheit und medizinische Forschung (National Health and Medical Research Council, NHMCR) hatte 2015 eine Übersichtsstudie (Review) zur Homöopathie mit dem Ergebnis veröffentlicht, Homöopathie wirke nicht besser als Placebo. Dieses Ergebnis fand weltweite Beachtung und ging auch in Deutschland durch viele Medien. Bis heute wird dieses Review als ein Beleg für die Unwirksamkeit der Homöopathie angeführt. Aber: Dieser Review war nur eine überarbeitete Version einer seit 2012 zurückgehaltenen Vorstudie, die positive Belege zur Homöopathie dokumentierte. Auf öffentlichen Druck wurde der Commonwealth Bürgerbeauftragte (Ombudsman) aktiv, recherchierte und 2019 wurde die erste Version des Reviews veröffentlicht. Doch wie geht es weiter mit dieser Geschichte, wie ist der aktuelle Stand, wann wird der Abschlussbericht des Ombudsman vorliegen? Darüber sprachen wir mit Dr. Alexander Tournier Mitte September in Heidelberg.

Ist der Ombudsman noch aktiv?

Ja, der Commonwealth-Ombudsman ist sehr aktiv. Im letzten Jahr wurde von ihm zunächst bestätigt, dass es einen ersten Homöopathie-Review der NHMRC gegeben hat und dass eine zweite Version veröffentlicht wurde. In diesem ersten Bericht des Ombudsman wurde von positiven Belegen für die Homöopathie berichtet. Der eigentliche Abschlussbericht an die australische Regierung aber, die vollständige Analyse des Geschehens um den zweiten Report von 2015, den erwarten wir noch. Er sollte eigentlich schon im Sommer veröffentlicht werden, wir rechnen mit einer sehr baldigen Veröffentlichung.

Können Sie abschätzen, wie dieser Abschlussbericht ausfallen wird?

Wir können nur vermuten, gehen aber davon aus, dass der Abschlussbericht für den NHMRC sehr unangenehm ausfallen wird. Der Ombudsman wird wohl die Empfehlung aussprechen, dass der Homöopathie-Report von 2015 offiziell zurückgezogen wird.

Wie verhält sich der NHMRC?

Der NHMRC versucht es mit Schadensbegrenzung. Sie sind Teil eines Reports über Komplementärmedizin, darin geht es auch um Homöopathie. Jetzt möchte der NHMRC, dass dieser Report möglichst zeitgleich mit dem Abschlussbericht des Ombudsman erscheint. Der Grund ist wohl, dass sie gerne sagen würden: Okay, wir haben einen Fehler gemacht, den wir jetzt aber wieder gut machen.

Wie schätzen Sie diesen Komplementärmedizin-Report ein?

In diesem Report wurde nun auch Homöopathie-Forscher mit einbezogen, so dass wir davon ausgehen, dass vom Konzept bis zur Fertigstellung nicht wieder manipulativ gearbeitet wird

Kooperiert das HRI mit dem NHMCR?

Von einer Kooperation möchte ich nicht sprechen, es findet aber ein akademischer Austausch mit dem Anspruch statt, neutral, sprich wissenschaftlich, zu arbeiten.

Wann soll dieser Report veröffentlicht werden?

Voraussichtlich Anfang 2021, aber das ist noch nicht sicher. Ein Problem ist, dass das Komitee keine neutralen Wissenschaftlicher findet, die hier die Verantwortung für den Homöopathie-Bereich übernehmen möchten – zu viele Forscher haben durch ihre Beschäftigung mit der Homöopathie bereits ihren guten Ruf verloren…

Weitere Informationen

Der Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH) begleitet die Aufklärung des australischen Homöopathie-Reviews bereits seit Jahren, lesen Sie hier die Beiträge:

Text: Christoph Trapp

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Unsere Broschüre ´Homöopathie to go` stellen wir Ihnen hier vor.

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