Homöopathie: Arzt beschwert sich beim Presserat wegen Kommentar der Süddeutschen Zeitung

Dr. med. Dominik Müller, Allgemeinmediziner / Homöopathie im bayerischischen Eichstätt, hat wegen des Kommentars Gar nicht okay!” von Werner Bartens auf Süddeutsche Zeitung online vom 20. September Beschwerde beim Deutschen Presserat eingereicht. Der Kommentar bezieht auf die Ankündigung von Gesundheitsminister Jens Spahn, das Krankenkassen auch in Zukunft homöopathische Arzneien erstatten dürfen. Der Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH) dokumentiert hier die Beschwerde von Dr. Müller:

Begründung

Ziffer 1 des Pressekodex: “Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.“ Herr Bartens schreibt in seinem Kommentar: “Es ist ja so: Tausende Studien über die Homöopathie haben keinen Nutzenbeweis über den Placeboeffekt hinaus erbringen können.”

Diese Aussage entspricht nicht dem Stand  wissenschaftlicher Erkenntnisse. Es gibt Studien, die die Evidenz der Homöopathie nachweisen: Frei Heiner et al Homeopathic treatment of children with attention deficit hyperactivity disorder: a randomised, double blind, placebo controlled crossover trial. Eur J Pediatr (2005) 164: 758-767.  Die Studie wurde an der renommierten Universität Bern unter Zusammenarbeit von verschiedenen Instituten wie z.B. dem IMSV der Universität Bern durchgeführt.

Deswegen ist die Aussage von Bartens unwahr. Herr Bartens unterrichtet die Öffentlichkeit somit nicht wahrhaftig, er mißachtet positive Wirknachweise, die wie obige Studie in renommierten medizinischen Zeitschriften wie dem European Journal of Pediatrics publiziert wurde. Eine solche Veröffentlichung erfolgt nur nach rigoroser Prüfung der eingereichten Arbeit, die in diesem Fall nicht beanstandet wurde.

Die erste Australische Metaanalyse zur Homöopathie musste jetzt nach großem juristischen und öffentlichen Druck publiziert werden. Ergebnis: für bestimmte Krankheitsbilder ist die Wirkung der Homöopathie nachgewiesen. Herr Bartens mißachtet Ziffer 1auch in diesem Punkt. Er täuscht die Öffentlichkeit und enthält wichtige Studienergebnisse zurück.

Ziffer 2 des Pressekodex: “Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben.“

Gleichzeitig mißachtet Herr Bartens Ziffer 2 des Pressekodexes. Vor wenigen Wochen wurde genannte erste, bisher zurückgehaltene australische Meta-Analyse zur Homöopathie publiziert, in der für bestimmte Erkrankungen die Wirksamkeit der Homöopathie nachgewiesen wurde. Herr Bartens hätte seiner Sorgfaltspflicht nachkommen  und diese Ergebnisse erwähnen müssen. Er publiziert als Leiter der Redaktion „Wissen“ der SZ und die Leser erwarten eine wissenschaftlich aktuelle Berichterstattung und kein einfaches Abschreiben der wiederholten, aber inzwischen widerlegten Behauptung des fehlenden wissenschaftlichen Nachweises der Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel.

Bei einer gründlichen Recherche hätte Herr Bartens feststellen müssen, das homöopathische Arzneimittel in tiefen Potenzen  eindeutig und nachgewiesender Maßen chemisch wirksam sind und  u.U.  bei fehlerhafter bzw. zu langer Anwendung auch toxische Wirkungen zur Folge haben können (wie bei Quecksilber, Arsen, oder pflanzlichen Giften wie Belladonna etc.). Die Aussage, Homöopathie sei unwirksam ist somit nicht nur falsch, sondern auch gefährlich für die Öffentlichkeit. Eine längere Einnahme von niedrig potenzierten Arzneimitteln ohne ärztliche Aufsicht kann zu unerwünschten Nebenwirkungen und  (bleibenden) Schädigungen führen.

Ziffer 9 des Pressekodex: “Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen.”

Weiterhin verletzt Herr Bartens meines Erachtens nach Ziffer 9 die Ehre von homöopathischen Ärzten, die nach einer in der Regel mehrjährigen Weiterbildung die von Ärztekammern anerkannte Zusatzbezeichnung Homöopathie erhalten haben:  Herr Bartens schreibt: “… Auf diese Weise werden der Pseudowissenschaft auch noch akademische Ehren zuteil.” Die Homöopathie versteht sich  sehr wohl als wissenschaftliche Methode, es gibt  in der Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer festgelegte Inhalte der Weiterbildung wie für jede andere Fachrichtung / Zusatzbezeichnung. Die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ wird nach in der Regel mehrjährigen Ausbildung und Ablegung einer Prüfung vor der jeweiligen Landesärztekammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen. Auch der Deutsche Ärztetag hat sich für die Beibehaltung der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ ausgesprochen. Die Aussage von Herrn Bartens verletzt somit die Berufsehre vieler homöopathischer Ärzte, die in der Regel homöopathische Arzneimittel in sehr differenzierter Weise anwenden, sofern keine anderen diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen erforderlich sind.

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Antworten

    Dr. med. Ute Janssen

    Sie sprechen uns allen aus dem Herzen! Soviel dreiste Verbreitung von Unwahrheiten unter Weglassen der Wahrheit ist wahrlich eine Schande für den Stand der Journalisten!

  2. Antworten

    Christine Roch

    Vielen Dank, Kollege Müller! Ich bin bis heute leider nur sprachlos über diesen – im Ton unverschämten – und in der Sache unrichtigen Artikel. Sehr gut gemacht!

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