Mercurius solubilis

(Quecksilbergemisch)

Die unterschiedlichen für die homöopathische Therapie aufbereiteten Quecksilberpräparate unterscheiden sich in den Wirkungen nur unwesentlich. Am gebräuchlichsten ist das von Hahnemann eingeführte Mercurius solubilis, das zum Bestand einer Haus- und Notfallapotheke gehören sollte. Mercurius wirkt über das Zentralnervensystem in nahezu alle Körperbereiche hinein. Die Erkrankten haben einen Metallgeschmack im Mund und fühlen sich wie vergiftet. Die Entzündungen im Mund sind heftig, die Schmerzen strahlen bis in gesunde Zähne hinein, die Kieferknochen schmerzen, Entzündungen können auf benachbarte Körperstrukturen übergreifen und sogar Knochensubstanz in Mitleidenschaft ziehen. Es besteht übler Mundgeruch und Speichelfluss und es zeigt sich eine dick geschwollene, schwammige Zunge mit Rissen und Flecken (Landkartenzunge) und Zahneindrücken an den Rändern. Die Temperatur muss gemäßigt sein; das Bett darf nicht zu warm, die Luft nicht zu kalt sein. Die Erkrankten schwitzen nachts, der Schweiß ist klebrig und gelblich. Entzündungen sind ätzend schmerzhaft und neigen zu Vereiterungen oder Geschwürbildungen.

Verschlechterung: durch Kälte und Wärme, Bettwärme, nasskaltes Wetter

Besserung: durch moderate Temperaturen

Ledum Palustre

(Sumpfporst)

Allgemeiner Mangel an Lebenswärme; dennoch wird Bettwärme vom Patienten als unangenehm empfunden. Der Patient fühlt sich kalt an. Schmerzen werden durch kalte Anwendungen gebessert. Kalte Schwellung des verletzten Körperteils. Der Patient ist ängstlich, gereizt und abweisend.

Verschlechterung: nachts; durch Wärme, Bettwärme, Bewegung

Besserung: durch Kälte, kalte Bäder (z.B. Fußbäder), Ruhe

Lachesis

(frisches Gift der Buschmeisterschlange)

Das Gift dieser Schlange hat eine Wirkung auf den gesamten Organismus des Menschen, da es über Veränderung des Blutes alle Organe erreicht. Die kleinsten Blutgefäße, die Kapillaren, werden geschädigt, alle Entzündungen sind blaurot gefärbt und können in Geschwüre mit dunklem Wundgrund übergehen. Wir begegnen diesen Zuständen bei älteren Patienten mit Unterschenkelgeschwüren, die nicht heilen wollen. Die linke Körperseite ist häufiger betroffen, die Patienten schlafen sich in die Verschlimmerung ihrer Beschwerden hinein, d.h. sie wachen mit (stärkeren) Schmerzen auf, obwohl der Schlaf ungestört war. Im Rahmen der Selbstmedikation sollte mit Lachesis zurückhaltend umgegangen werden. Sprechen akute Krankheitssymptome für Lachesis, ist die Beschwerdesymptomatik meist so heftig, dass die Betroffenen sich auf den Weg zum Arzt machen. Für die erste Hilfe ist es jedoch zweckmäßig, Lachesis im Hause zu haben. Die Leidenden sind sehr aufgeregt und reden pausenlos. Sie haben Hitzewallungen mit Schweißausbrüchen wie Frauen in den Wechseljahren. Sie können unter heftigen Schmerzen im Ohr, im Rachen oder in bereits bestehenden Wunden leiden. Die Patienten können nichts Enges um den Hals oder um den Leib vertragen, fühlen Schwere auf der Brust und das Herz kräftig pochen.

Verschlechterung: beim Erwachen, Sommerhitze, jede Form von Wärme, auch zu warme (enge) Kleidung, warme Bäder; durch Ruhe, alkoholische Getränke; durch Verzögerung der Regelblutung oder die Unterdrückung der Regelblutungen als Folge von Entfernung der Gebärmutter

Besserung: durch frische kühle Luft, Bewegung, Entladung der Gefühle durch einen Redeschwall

Kalium bichromicum

(Kaliumdichromat)

Kalium bichromicum ist charakterisiert durch fadenziehende oder feste grünliche Schleimabsonderungen und Krusten, die von der erkrankten Schleimhaut im Atemtrakt abgestoßen werden. Sie können aus den Nasennebenhöhlen kommen, aus dem Rachen, weit von unten aus dem Kehlkopf oder aus den Bronchien. Falls die Nasennebenhöhlen betroffen sind, stellen sich Kopfschmerzen ein, die beim Bücken schlimmer werden. Auch die Rachenmandeln können dick geschwollen und entzündet sein; statt eitriger Beläge sitzt nur fester Schleim darauf.

Verschlechterung: zwischen 3 und 5 Uhr nachts (Patient wacht durch Beschwerden auf), durch Kälte, durch Biertrinken

Besserung: durch Wärme, frische Luft, Essen und Bewegung

Ipecacuanha

(Brechwurzel)

Ipecacuanha wirkt stark auf den Verdauungstrakt und auf die Atemwege. Aus der Schulmedizin ist Ipecacuanha-Sirup bekannt, der Erbrechen herbeiführen soll, falls etwas Falsches gegessen wurde. In homöopathischer Aufbereitung passt Ipecacuanha bei Magen-Darm-Infekten (Brechdurchfall), besonders nach Genuss von zu viel Eis, Obst oder fettigen Speisen. Die Zunge zeigt keinen Belag. Ipecacuanha passt auch bei Keuchhusten und ähnlichen Zuständen, bei denen durch würgenden Husten Brechreiz hervorgerufen wird. Die Patienten sind missmutig, reizbar und fühlen sich sehr elend. Durch Erbrechen tritt keine Besserung der Übelkeit ein. Die Augen sehen verquollen aus. Auffällig ist die Periodizität von Beschwerden: Sie kommen jeden zweiten Tag.

Verschlechterung: durch Bewegung und jede Form von extremer Wärme oder starker Kälte, durch Feuchtigkeit (feucht-kaltes Wetter)

Besserung: durch Ruhe, frische Luft und Wärme

Ignatia

(Ignatiusbohne)

IGNATIA ist das “Mittel der Wahl” bei Liebeskummer und Heimweh. Rascher Stimmungswechsel, Launenhaftigkeit. Der Patient seufzt auffallend häufig. Widersprüchliche Zustände: Halsschmerzen bessern sich z.B. beim Schlucken von eher „harten“ Nahrungsmitteln, während das Schlucken von Brei oder Milch die Schmerzsymptomatik verschlechtert. Der Patient lehnt Stimulantien (z.B. Kaffee) ab, weil diese den nervösen Zustand verschlechtern. Häufig Schluckauf-Anfälle. Die Schmerzen wechseln rasch ihren Ort, wandern umher. Oft Muskelzuckungen, vor allem im Gesichtsbereich. Schmerzen, z.T. bohrenden Charakters, an kleinen, umschriebenen Stellen. Der Patient sieht alles schwarz, ist hoffnungslos, fühlt sich überlastet. Er weint, fängt dann aber plötzlich – scheinbar grundlos – an zu lachen.

Verschlechterung: durch Kummer, Stress, Gemütsbewegungen,
Kälte, Bewegung, Geräusche und starke Gerüche

Besserung: durch Ruhe, Wärme, Schlaf, Druck, Reisen, Liegen auf der kranken Seite

Hypericum Perforatum

(Johanniskraut)

Unerträgliche Nervenschmerzen. Die Schmerzen schießen blitzartig in den Bereich der Verletzung ein. Kopfschmerzen mit dem eigenartigen Gefühl, hoch in die Luft gehoben zu werden. Angst, aus der Höhe zu fallen. Klopfende und zum Teil stechende Kopfschmerzen, Verwirrtheit, äußerste Empfindlichkeit gegen Berührung. Die verletzten Körperteile sind sehr schmerzhaft. Nervenentzündung (Neuritis).

Verschlechterung: bei Wetterwechsel, durch feucht-kaltes Wetter, im Nebel, in engen Räumen, durch geringste Bewegungen oder Berührungen, durch Erschütterung oder geringsten Luftzug

Besserung: den Kopf nach hinten beugen, auf dem Bauch liegen

Hepar Sulfuris Calcareum

(Kalkschwefelleber)

HEPAR passt bei frösteligen Patienten mit unreiner Haut und Neigung zu Drüsenschwellungen. Alle Wunden eitern leicht. Selbst bei einem banalen Schnupfen entstehen eitrige Krusten und geschwürige (ulcerierende) Wunden an den Nasenlöchern. Das Wundsekret riecht wie alter Käse. Die Wunden schmerzen stechend und bluten leicht. Die Patienten sind kaltschweißig und wollen immer ganz zugedeckt sein. Selbst der Kopf muss eingehüllt werden.

Verschlechterung: Kalte Luft, Berührung der kranken Teile

Besserung: Einhüllen in warme Tücher, Kopfbedeckung, Essen

Graphites

(Reißblei)

Graphites wirkt auf die Haut, Haare und Nägel, bei der Haut besonders auf die äußeren Schichten. Die Hornhaut nimmt eine grau-schwärzliche Farbe an. Die Patienten gehören zu den ruhigen, behäbigen Typen, mit Neigung zu Unterfunktion der Schilddrüse. Sie leiden unter einer unreinen Haut, die stellenweise tiefe Risse und Furunkel zeigt. Lidrandentzündungen mit Gerstenkörnern an den Augen, Risse an den Ohren, an Händen und Füßen, besonders an den Handflächen, Fußsohlen und den Fersen. Die Risse durchdringen die ganze Hornhaut bis in die tiefen Hautschichten, schmerzen sehr und heilen schlecht, da die Hornhaut wenig durchblutet ist.

Verschlechterung: nachts und morgens beim Erwachen. Bei Frauen verschlechtern sich Beschwerden während und nach der Regelblutung.

Besserung: durch Wärme, durch Essen; bei manchen Patienten durch Ruhe, aber bei anderen auch durch Bewegung und frische Luft

Ferrum phosphoricum

(Verbindung aus Eisen (Ferrum) und Phosphat (Phosphoricum)

Dieses Arzneimittel passt bei vielen Infektionskrankheiten (auch Kindererkrankungen mit Ausschlä-gen), bei denen die Kranken nicht extrem hohes Fieber entwickeln. Es passt auch in der zweiten Phase von fieberhaften Erkrankungen, in denen das hohe Fieber bereits abgeklungen ist, aber nicht gänzlich weichen will (subakutes Fieber). Der Magen-Darm-Trakt ist empfindlich mit Neigung zu Aufstoßen, Erbrechen und Durchfällen. Wandernde Schmerzen durchziehen Muskeln und Gelenke.

Verschlechterung: nachts und besonders in den frühen Morgenstunden, bei Bewegung

Besserung: Ruhe

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