Offener BPH-Brief an die Ärztekammer Rheinland-Pfalz: Pro-Zusatzbezeichnung Homöopathie

Der Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH) wendet sich mit einem Appell an den Vorstand und an die Delegierten der Ärztekammer Rheinland-Pfalz, die Zusatzbezeichnung Homöopathie zu erhalten.

Patient*innen nehmen das Angebot der in Rheinland-Pfalz niedergelassenen homöopathischen Ärztinnen und Ärzte sehr stark in Anspruch. Erfreulich ist, dass die Homöopathie nicht nur in der hausärztlichen, allgemeinmedizinischen Versorgung angeboten wird, sondern auch etwa bei Frauen- oder Kinderärzten, HNO oder anderen Fachrichtungen. Diese therapeutische Breite, in der Homöopathie in der Versorgung angeboten wird, bereichert die Medizin. Wir können aus eigener Erfahrung bestätigen, was der Bertelsmann Gesundheitsmonitor bereits 2014  herausgefunden hat: Häufigster Anlass für Besuche bei Homöopathen sind allgemeine Beschwerden (48 Prozent), chronische und akute Erkrankungen (43 bzw. 32 Prozent). Die Patienten gehen dorthin, weil anderswo keine Besserung erreicht wurde…“ Lehnen Sie die Weiterbildung Homöopathie ab, wird es mittelfristig keine (Fach)Ärztinnen und (Fach)Ärzte Homöopathie mehr geben. Und dann?

Einige Kammern haben bereits die Zusatzbezeichnung Homöopathie aus der ärztlichen Weiterbildung ausgeschlossen. Als Patient liest man von diesen Entscheidungen und versteht sie nicht. Warum wird Ärztinnen und Ärzten verwehrt, sich in im Namen und unter Kontrolle der Ärztekammern weiter zu bilden? Ausgerechnet in einer Methode, die von rund der Hälfte der Bevölkerung genutzt wird. Aus unserer Sicht sind dies fatale Entscheidungen. Auf der Webseite des Landesverbandes Hessen, Rhld.-Pfalz, Saarland des DZVhÄ berichten Ärzt*innen, warum sie Homöopathie in ihrer Praxis integriert haben. Der Hauptgrund ist, da sie mit der konventionellen Medizin allein oft keine Antwort bei chronischen und wiederkehrenden Erkrankungen haben – aus genau diesem Grund wenden sich ja  auch Patienten der Homöopathie zu. Weil sie zwar als austherapiert gelten, sich aber weiterhin in eine ärztliche Therapie begeben möchten –  Therapievielfalt ist ein hohes, und häufig ein segensreiches Gut.

Patientensicherheit

Patienten benötigen die Sicherheit, von qualifizierten Therapeuten behandelt zu werden, und sie benötigen eine Orientierung, welche Therapeuten dies bieten können. Die Zusatzbezeichnung Homöopathie ist eine solche Orientierung.

Der BPH appelliert an den Vorstand und die Delegierten der Ärztekammer Rheinland-Pfalz, die Zusatzbezeichnung Homöopathie zu erhalten.

Patientinnen und Patienten vertrauen der Homöopathie, weil sie gute Erfahrungen mit ihr machen. Vor allem in zwei Bereichen: In der Selbstmedikation von leichteren Erkrankungen. So werden nebenwirkungsstarke Medikamente und häufig auch ein Arztbesuch vermieden. Voraussetzung dafür ist aber die qualifizierte Beratung in der Apotheke. Thomas Benkert, Präsident der Bundesapothekerkammer, sprach sich unlängst aus diesem Grund für die Apothekenpflicht von Homöopathika aus. Die andere Situation ist ernster: Viele Patientinnen und Patienten kommen erst zur Homöopathie, wenn sie in der konventionellen Medizin als austherapiert gelten oder massive Nebenwirkungen ihrer konventionellen Behandlung erleben. Erfahrene homöopathisch tätige Ärzt*innen können vielen dieser Patienten helfen – diese Erfahrungen sprechen sich herum und es werden mehr Menschen, die in eine solche gesundheitliche Situation geraten.

Fakten zur Homöopathie

  • Repräsentative Umfragen zeigen, dass Homöopathie regelmäßig von etwa der Hälfte der Bevölkerung genutzt wird. Dabei geht es nicht um ein Gegeneinander der Therapiemethoden: Die Bevölkerung erwartet ein Miteinander von konventioneller Medizin und den besonderen Therapierichtungen, laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage wünschen sich 75 Prozent der Bürgerinnen und Bürger dieses Miteinander in der Medizin, auch Integrative Medizin genannt.
  • Der Bertelsmann Gesundheitsmonitor 2014 stellt fest: „84 Prozent der Befragten geben an, den Arzt gezielt wegen der homöopathischen Behandlung aufgesucht zu haben. … Als häufigstes Motiv für den Besuch nennen die Teilnehmer, dass anderswo keine Besserung erzielt worden war (49 Prozent).“ Dieses Studienergebnis spiegelt sich zu 100 Prozent mit unseren Erfahrungen und auch mit denen der Therapeuten – was für eine seltene Übereinstimmung.
  • Patientensicherheit bedeutet: Qualitativ hochwertige homöopathische Arzneien, die durch Apotheken vertrieben werden und gut ausgebildete Therapeuten, die Homöopathie und konventionelle Medizin verbinden können. Aber auch: Dass es sichere Alternativen zur konventionellen Medizin gibt, denn wir brauchen als freie und mündige Patienten und Patientinnen einen lebendigen Pluralismus der Methoden innerhalb unseres Gesundheitssystems.
  • Therapiefreiheit, Therapievielfalt und Selbstbestimmung auch im Bereich der Gesundheit sind hohe Werte einer offenen Gesellschaft. Zunehmend wird an diesem gesellschaftlichen Konsens gerüttelt.
  • Laut Bundesministerium für Gesundheit betragen die Kosten für die Homöopathie nur 0,03 Prozent der Gesamtausgaben der GKV.
  • Unser Ziel: In der Schweiz sind seit dem Sommer 2017 die Homöopathie und andere besondere Therapieverfahren Gegenstand der Regelversorgung. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit hatte einen „Health Technology Assessment (HTA)“-Bericht in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Nach Ansicht der Autoren „untermauert ihr Bericht, dass die Homöopathie eine wertvolle Ergänzung zur schulmedizinischen Versorgung ist.“ Und: „Es liegen ausreichende Nachweise für die präklinische Effektivität und klinische Wirksamkeit der Homöopathie sowie für ihre Sicherheit und Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu schulmedizinischen Behandlungen vor.“ Dem ist aus unserer Sicht nichts mehr hinzuzufügen.

Der Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH)

Wir beraten und informieren unsere Mitglieder rund um die Homöopathie. Der Verein informiert darüber hinaus die Öffentlichkeit über die therapeutischen Möglichkeiten der Homöopathie und setzt sich für gute gesundheitspolitische Rahmenbedingungen und eine Integrative Medizin ein, in der die konventionelle Medizin, die Homöopathie und weitere besondere Therapierichtungen Hand in Hand zum Wohle aller Patienten zur Verfügung stehen. www.bph-online.de

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