BPH Fakten-Check: Falk Stirkat im Deutschlandfunk Interview

▶️ Am 6. Juni 2021 ist der Arzt Falk Stirkat bei Deutschlandfunk Kultur in der Sendung Lesart zu Gast. Titel des Gesprächs: Medizinjournalist über Homöopathie – Gefährliche Heilsversprechen

Der Arzt und Buchautor Falk Stirkat, 37 Jahre, baut auf Wissenschaft und Fakten, das betont er deutlich – in diesem Interview äußert er jedoch laufend reine Meinungen oder populistische Aussagen, die im Raum stehen bleiben. Fakten spielen in diesem Interview kaum eine Rolle, Aussagen werden nicht belegt. Stirkat urteilt, er verurteilt seine ärztlichen Kolleginnen und Kollegen, die homöopathisch tätig und Fachärzt*innen sind – Stirkart hat weder promoviert, noch hat er eine Facharztausbildung. Stirkat mag ein gestandener Mediziner sein – von Homöopathie hat er keine Ahnung, er urteilt ohne Wissen. Er kann seine Meinungen in der Sendung Lesart von Deutschlandfunk Kultur zum Besten geben, unwidersprochen, nicht hinterfragt von der Moderatorin Maike Albath. Stirkat ist Gast in der Sendung, da er gemeinsam mit dem Biochemiker Lars Bräuer das Buch „Der belogene Patient“ verfasst hat. Der Titel lässt uns an die ehemalige Sprecherin der Anti-Homöopathie-Kampagne, Natalie Grams, denken, die gerne erzählt, sie habe ihre Patienten nicht mehr mit Homöopathie betrügen können. Stirkat wählt sehr drastische Worte, stellt Patienten, die Homöopathie nutzen, als dümmlich und als Opfer dar, fordert Verbote und kriminalisiert seine ärztlichen Kolleginnen und Kollegen, die in ihren Praxen auch homöopathisch tätig sind.

Ein Fakten-Check

▶️ Stirkat: „Was in Deutschland ein großes Problem ist, ist, dass ‚alternative Heilansätze‘, die keinerlei nachweisbare Wirkung haben, wie zum Beispiel die Homöopathie, sehr ernst genommen werden und den Patienten suggeriert wird, es wäre eine gleichartige Behandlungsmethode – was es nicht ist. Und damit ist das eine Lüge.“

Fakten:

  • Homöopathie ist kein „alternativer Heilansatz“,  sie ist Teil der Komplementärmedizin, bzw. Teil der Integrativen Medizin. Homöopathie und konventionelle Medizin sollen und können sich ergänzen, es gibt kein entweder oder – Stirkat betreibt hier Populismus.
  • Homöopathie ist kein „Heilansatz“ sondern eine Methode, die lern und lehrbar ist, dies findet zum Teil an Universitäten und in der ärztlichen Weiterbildung statt.  Im Sozialgesetzbuch V wird sie als Methode gewürdigt.
  • Nachweisbare Wirkungen der Homöopathie sind in vielen Studien unterschiedlichster Designs belegt – ein paar werden am Ende des Beitrags verlinkt. Übrigens sind auch dokumentierte Erfahrungen von Patienten wissenschaftliche Belege. Stirkat betreibt hier Populismus.
  • Patienten wird nicht suggeriert, Homöopathie sei eine gleichartige Behandlungsmethode – Stirkat betreibt auch hier Populismus

▶️ Stirkat: Wer falsche oder sogar gefährliche Heilsversprechen verkaufe, sei ein Menschenfänger. „Das gehört für mich verboten.“

Fakten

  • Heilsversprechen haben in der Medizin nichts zu suchen. Doch Stirkat unterstellt in dem Interview homöopathisch tätigen Therapeuten dies zu tun. Hier wird auf schon gefährliche Art und Weise polarisiert und Ärzt*innen kriminalisiert – ohne Belege.

▶️ Stirkat: „Ich persönlich werde niemals eine Arztpraxis betreten, an der ‚Homöopathie‘ oder irgendsowas dransteht, weil ich da von vornherein weiß: Da wird nicht nach wissenschaftlichen Grundsätzen gearbeitet.“

Fakten

  • Auch nur eine persönliche Meinung. Es gibt in Deutschland zum Glück die freie Arztwahl. Aber welche Belege führen Stirkat zu der Aussage, dass in einer Facharztpraxis, die auch Homöopathie anbietet, nicht nach wissenschaftlichen Grundsätzen gearbeitet wird? Er nennt sie nicht, also reiner Populismus.

▶️ Stirkat: „Wer Homöopathie anbietet, hat keinen Plan von Medizin – oder er betrügt Menschen bewusst um seine Kasse aufzufüllen. Nirgendwo in der Medizin, auch nirgends in der Wirtschaft, werden solche enormen Gewinnen und Profite gemacht wie in der Homöopathie. Dass das nicht kriminell ist, ist mir ein völliges Rätsel.“

Fakten

  • Homöopathisch tätige Ärzt*innen sind Fachärzt*innen – im Gegensatz zu Falk Stirkat. Seine Aussage ist nicht nur überheblich, sie ist – mit Verlaub – schlicht dumm, wir könnten auch sagen: eine Lüge.
  • Auch wird Betrug und Habgier auf Kosten kranker Menschen von Stirkat unterstellt – hier werden Therapeuten kriminalisiert, mal ebenso ein ganzer Berufsstand an den Pranger gestellt. Das ist presserechtlich erlaubt, da Stirkats seine Meinung äußert und er niemanden persönlich anspricht – aber eben Meinung, keine Fakten.

▶️ Stirkat: „Menschen die leichteren Gemütes sind und sich zur Homöopathie hingezogen fühlen und das glauben, was sie glauben wollen, da geht es nicht um Fakten – das verstehen die aber nicht.“

Fakten

  • Wer nutzt Homöopathie (Forsa (3/2020)?: „Vor allem unter den Frauen ist der Anteil der Anwender mit zwei Drittel (66 Prozent) überdurchschnittlich hoch. Ähnlich häufig nutzen Akademiker (62 Prozent) sowie Menschen mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 3000 Euro (59 Prozent) homöopathische Arzneimittel.“ Laut Stirkat „Menschen leichteren Gemütes“ – oder auf gut Deutsch, eher die etwas dümmeren und leicht verführbaren. Allerdings trifft dies dann laut Forsa auf 55 Prozent der Bevölkerung zu. Auch hier wird behauptet ohne zu belegen.

▶️ Fazit: Stirkats Aussagen sind gefährlich: sie polarisieren, sie kriminalisieren und sie belegen lediglich das Weltbild des Autors. Sie zielen darauf ab, Patienten eine Medizin zu nehmen, die sie frei für sich gewählt haben, die ihnen nachweislich hilft, weil ihnen häufig mit der konventionellen Medizin allein nicht geholfen werden konnte. Ärzte wie Stirkat bieten Patienten für ihre gesundheitlichen Probleme keine Lösung, außer an die konventionelle Medizin zu glauben. 

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Unsere Selbstmedikations-Broschüre ´Homöopathie to go` stellen wir Ihnen hier vor.

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