BPH Kommentar zum Homöopathie Beschluss der Linken

Der Parteivorstand von Die Linke hat am 11. April 2021 beschlossen und gefordert, die “Bevorteilung von Homöopathie beenden!” Ausgangspunkt dieses Beschlusses ist ein Antrag der Linksjugend vom Dezember 2019, den der Parteivorstand im Wesentlichen nun übernommen hat. Anna Westner, Bundesgeschäftsführerin der Linksjugend, twitterte das Ergebnis sofort und vergisst auch nicht die Nachricht an Natalie Grams und Christian Lübbers – die Wortführer der Anti-Homöopathie-Kampagne in Deutschland – zu adressieren. Parallelen zur Grünen Jugend: der 19-jährige Berliner Tim Demisch – bei den Berliner Grünen ist er nicht in der Gesundheitspolitik tätig – bedankt sich in einem Interview bei Natalie Grams für ihre Unterstützung seines Antrags zur Grünen Bundesdelegiertenkonferenz im November 2019. Der Antrag hat den Titel: “Echter Patient*innenschutz: Bevorteilung von Homöopathie beenden!” Christian Lübbers wiederum schreibt in einem Gastbeitrag in der Zeit (14. November 2019): “Denn ein klares Bekenntnis zur evidenzbasierten Medizin und eine klare Kritik an den gesetzlichen Sonderrechten der Homöopathie, wie die Grüne Jugend sie gefordert hatte, wird es nicht geben.” Die Lobbyarbeit der Homöopathie-Gegner aus GWUP und INH scheint 2019 erfolgreich, sie beeinflussen das Framing im Bereich Homöopathie bei den Jugendorganisationen von den Linken und Grünen und ziehen damit zum Teil in die Bundespolitik ein. Brisant ist auch der Antrag der SPD Berlin-Pankow aus dem Jahr 2019, der auf dem Berliner Landesparteitag das Ende der “Sonderstellung der Homöopathie” stellt. Brisant auch deshalb, weil der Pankower Wortführer Knut Lambertin alternierender Vorsitzender des Aufsichtsrates des AOK-Bundesverbandes ist.

Die Forderungen der Linken sind identisch mit den anderen beschriebenen Anträgen des Jahres 2019, die im Wahljahr 2021 aktuell werden. Meinolf Stromberg, Vorsitzender des Bundesverbandes Patienten für Homöopathie (BPH), hat hierzu eine klare Meinung: “Der Beschluss der Linken zur Homöopathie geht an den Bedürfnissen kranker Menschen vorbei.” Im Wesentlichen wird von den Linken gefordert: Homöopathika soll der Arzneimittelstatus und damit die Apothekenpflicht entzogen, die GKV Erstattung beendet, aber eine “amtliche Gebührenordnung für homöopathische Behandlungen” eingerichtet werden. Im Linken Vorstandsbeschluss – der nicht identisch mit dem Wahlprogramm ist – wird viel über Wissenschaft und “faktenbasierte Gesundheitsversorgung” geschrieben und der Skeptiker-Slogan (Framing!) zum Placebo-Effekt von Homöopathika fehlt natürlich nicht. Da die Forderungen von der Grünen Jugend und den Linken fast identisch sind, verlinken wir den Beitrag des Bundesverbandes Patienten für Homöopathie (BPH) und das “Wissenschaftliche Gutachten” von Dr. med. Harald J. Hamre und Dr. med. Helmut Kiene vom “Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie an der Universität Witten/Herdecke”, das sie zu dem Grünen Anti-Homöopathie Antrag erstellt haben. Hamre und Kiene: “Die Aussagen [des Antrags] sollen ein ´Bekenntnis zu einer auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierenden Gesundheitspolitik` sein, es wird aber die tatsächliche Datenlage ignoriert und es werden lediglich ungeprüfte populäre Meinungsäußerungen übernommen.” 

Völlig ignoriert werden aus Sicht des BPHs die Bedürfnisse der Patient*innen. Mit der Forderung, die Homöopathie aus der GKV Erstattung zu nehmen – in der sie nicht einmal Regelleistung ist – werden die Patientinnen und Patienten benachteiligt, die Homöopathie anwenden. Und das sind viele! Alleine in Berlin lassen sich rund 70.000 Patienten im Quartal bei einem Arzt / Ärztin mit Zusatzbezeichnung Homöopathie behandeln. Aktuelle repräsentative Umfragen zeigen diese hohe Inanspruchnahme für ganz Deutschland. Die Homöopathie ist für viele Patient*innen vor allem dann eine Therapieoption, wenn die konventionelle Therapie an ihre Grenzen stößt, dies schreiben Patienten dem BPH und dies hat auch die Bertelsmann-Stiftung in ihrem Gesundheitsmonitor 2014 belegt. Sehr ähnliche Gründe für die Homöopathie nennen Ärztinnen und Ärzte. Der Hauptgrund ist, da sie mit der konventionellen Medizin allein häufig keine Antwort bei chronischen und wiederkehrenden Erkrankungen haben – aus genau diesem Grund wenden sich auch Patienten der Homöopathie zu. Neben der sozialen und medizinischen Benachteiligung gefährdet der Linke Beschluss auch die Patient*innen-Sicherheit. Rund 90 Prozent der in Apotheken gekauften Homöopathika sind für die Selbstmedikation bestimmt. Da Homöopathika ohne Indikation im Handel sind, benötigen Patient*innen eine fundierte Beratung. Thomas Benkert, Präsident der Bundesapothekerkammer, bringt es auf den Punkt: “Die Apothekenpflicht von Homöopathika ist wirksamer Patientenschutz.”

BPH-Fazit: Der Vorstandsbeschluss der Linken zum Thema Homöopathie / besondere Therapierichtungen

  • geht an den Bedürfnissen kranker Menschen vorbei, 
  • ist ungerecht, da sich nur noch Besserverdienende eine homöopathische Therapie leisten können
  • schränkt die Therapiefreiheit ein und
  • richtet sich gegen den Pluralismus in der Medizin.
  • verbreitet Meinungen zu Wissenschaft und Wirksamkeit der homöopathischen Medizin und beansprucht für sich die Faktenlage wiederzugeben.
  • er suggeriert die Verwendung zweifelhafter Ausgangsstoffe für Homöopathika und
  • unterstellt Therapeut*innen Bereicherung.

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