„Wir fordern den Bundestag auf, sich am 13. Februar für die Wahltarife und damit für die Patienten auszusprechen“

Interview mit Meinolf Stromberg, 1. Vorsitzender des Bundesverbandes Patienten für Homöopathie (BPH)

Immer mehr Menschen in Deutschland nutzen die Homöopathie. Aber hinkt unser Gesundheitssystem dieser Realität nicht nach?

Stromberg: Ja, und zwar gewaltig. Wir wissen aus repräsentativen Umfragen, dass mehr als 50 Prozent der Deutschen Homöopathie nutzen und dass sich sogar 75 Prozent der Befragten in einer aktuellen Erhebung für eine integrative Medizin aussprechen. Die Mehrheit der Bevölkerung erwartet also von unserem Gesundheitssystem mehr als nur die konventionelle Medizin. Der BPH setzt sich für einen praktizierten Methodenpluralismus ein und dafür, dass die Homöopathie Regelleistung der Krankenkassen wird. Dazu gehört aber auch, dass die Homöopathie-Forschung staatlich gefördert wird und Studierende im Medizinstudium bereits in Homöopathie ausgebildet werden.

Die meisten Krankenkassen erstatten doch Homöopathie. Warum reicht Ihnen das nicht?

Stromberg: Zweidrittel aller Kassen erstatten die Anamnese, Folgeanamnese, Beratungen und so weiter, also die ärztliche Zeit. Auch erstatten viele Kassen die verordneten homöopathischen Arzneien. Das ist gut – aber dies sind freiwillige Leistungen und das ist uns zu wenig. Selbst jetzt, in Zeiten hoher Rücklagen, schränken auch große Krankenkassen ihr Homöopathie Angebot bereits ein. Versicherte müssen ein Anrecht auf diese Leistungen haben, alles andere ist eine Zweiklassen-Medizin.

… jetzt sollen noch die Wahltarife gestoppt werden

Stromberg: …genau. Dagegen haben wir uns auch ausgesprochen. Diesen Wahltarif muss ich als Versicherter zwar extra buchen und zahlen, er lohnt sich aber, wenn ich zum Beispiel als chronisch kranker Patient sehr häufig und dauerhaft homöopathische Arzneien benötige. Wir halten es aber auch für ein falsches Signal, wenn vom Gesundheitsminister Leistungen der Homöopathie eingeschränkt werden sollen – der Bundesrat hat sich ja  für den Erhalt ausgesprochen. Am 13. Februar findet im Bundestag die nächste Lesung statt und wir fordern hier nochmals die Entscheidungsträger auf, im Sinne der Patienten zu entscheiden.

Wie versucht der BPH die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen für Patienten zu verbessern?

Stromberg: Wie sind einerseits mit Politikerinnen und Politikern im direkten Gespräch, wir nehmen aber auch den Weg über die klassische Öffentlichkeitsarbeit und informieren über Twitter, Facebook und per Pressemitteilungen die Gesellschaft über die Situation der Homöopathie. Wir freuen uns sehr, dass unsere Anliegen von vielen Medien aufgegriffen werden. Aber wir informieren auch die Patienten und bauen mit dem BPH eine starke Community auf, die deshalb verstärkt in der Politik und in Medien Gehör findet – gemäß unserem Motto: Mit vereinten Kräften!

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