Die Grünen, die Homöopathie und die Bundesdelegiertenkonferenz

Mitte November kamen homöopathische Ärzte aus Münster, Patientenvertreter (BPH) und die gesundheitspolitische Sprecherin von Bündnis90/Die Grünen, Maria Klein-Schmeink, zu einem Gedankenaustausch per Video zusammen. Ausgangspunkt waren über 10.000 Patienten-Unterschriften, die im Münsterland Pro-Homöopathie gesammelt und dem Wahlkreisbüro von Maria Klein-Schmeink in Münster übergeben wurden. Zentrale Forderungen der analogen Petition: Erhalt der Apothekenpflicht homöopathischer Arzneien, erhalt von Therapievielfalt und Therapiefreiheit, erhalt der freiwilligen Kostenerstattung ´Homöopathie` der gesetzlichen Krankenkassen und staatliche Förderung der Homöopathie-Forschung.

Der Zeitpunkt des Gesprächs konnte nicht besser sein. Vom 20.-22. November findet die Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen statt, dort wird wieder einmal auch über Homöopathie und die Haltung der Partei zur Naturwissenschaft debattiert. Auf der Tagesordnung steht die Verabschiedung des neuen grünen Grundsatzprogramms, dass die Grünen im Spätsommer intern diskutierten. Im Entwurf ist eine Passage, wie die Partei die Erstattung medizinischer Leistungen in der GKV regeln möchte. Maria Klein-Schmeink ist zuversichtlich, dass  diese Formulierung die Zustimmung der Delegierten findet: „Leistungen, die medizinisch sinnvoll und gerechtfertigt sind und deren Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen ist, müssen von der Solidargemeinschaft übernommen werden.“ Die Formulierung wird nicht ohne Diskussion durch gehen, ein sinnvoller Änderungsantrag definiert zum Beispiel, was „wissenschaftlich“ bedeutet: „Evidenzbasierte Medizin berücksichtigt den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung, die ärztliche Erfahrung und die Präferenzen der Patient*innen.“

Ein Grundsatzprogramm ist nicht kleinteilig, hier geht es eben um das Grundsätzliche. Spannend wird es, wenn es um das Wahlprogramm 2021 geht. Die Diskussion beginnt Anfang des Jahres und sie wird ins Detail gehen und sie wird emotional – es geht schließlich um Sympathie, ums grüne Gefühl, schlicht, um die Zustimmung der Wählerinnen und Wähler. Grünen-Chef Robert Habeck hat im August bereits die Linie der Partei zur Homöopathie klar gemacht. Ein Kompromiss, mit dem die grünen Homöopathie-Skeptiker vielleicht Ruhe geben, die Mehrheit der Bevölkerung aber, die Homöopathie nutzt und sich ein Miteinander der konventionellen und der komplementären Medizin wünscht, außen vor lässt.

Grüner Homöopathie-Kompromiss

Habeck plädiert für ein System, das Krankenkassen die Möglichkeit gibt, Zusatztarife für Homöopathie anzubieten, die von den Versicherten zusätzlich gebucht werden können. So möchte er die Homöopathie dem GKV-System erhalten und nur die Menschen finanziell belasten, die eine homöopathische Behandlung wünschen. Doch die Idee wird nicht aufgehen: Warum sollten GKV-Versicherte eine quasi private Zusatzversicherung innerhalb der GKV abschließen? Warum nicht gleich eine richtige private Zusatzversicherung buchen, die auch Leistungen beim Privatarzt oder Heilpraktiker und weitere Leistungen berücksichtigt? Aus Sicht des Bundesverbandes Patienten für Homöopathie (BPH) werden hier die Stimmen der grünen Stammwähler leichtfertig aufs Spiel gesetzt und Therapiefreit und der Pluralismus in der Medizin geopfert. Habecks Kompromiss bedeutet vor allem auch das Aus der Selektivverträge Homöopathie. Seit vielen Jahren erstattet rund zweidrittel der gesetzlichen Krankenkassen auf freiwilliger Basis bei besonders qualifizierten Ärzten die Homöopathie. Die Gesamtkosten der GKV liegen hierfür im Promillebereich.

Homöopathie in der GKV evaluieren

Die Video-Konferenz mit Maria Klein-Schmeink brachte eine neue Idee, die ihren Weg durch die Grünen Gremien nehmen könnte. Warum nicht Homöopathie und weitere komplementärmedizinische Methoden innerhalb der GKV evaluieren? Daten der Versorgungsforschung sind Daten aus der realen Praxis und die Vergleichsgruppen sind groß und aussagefähig und die Infrastruktur ist vorhanden. Die Securvita BKK hat dies gerade vorgemacht, in der Schweiz wurde es durchgeführt. Das Ergebnis des HTA Berichts: „Es liegen ausreichende Nachweise für die präklinische Effektivität und klinische Wirksamkeit der Homöopathie sowie für ihre Sicherheit und Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu schulmedizinischen Behandlungen vor.“  Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen nimmt die Option, zunächst weitere Daten über die Homöopathie zu erheben mit in die bevorstehenden Debatten. Weitere Studien zu berücksichtigen, bevor über die Homöopathie geurteilt wird, ist ein sehr wissenschaftliches Vorgehen.

Autor: Christoph Trapp

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1 Kommentar

  1. Antworten

    Sinnvoll wäre es meiner Meinung nach, dem Modell IKK Saarland und Südwest zu folgen und homöopathische Behandlung (zumindest bis zu einem bestimmten jährlichen Betrag) sowohl für die Behandlung bei ärztlichen als auch bei Heilpraktiker-Homöopathen zu erstatten, sofern sie beim BKHD oder bei der SHZ zertifiziert sind. Es gibt wahrscheinlich mindestens so viele gut ausgebildete HP-Homöopath*innen wie gut ausgebildete ärztliche Homöopath*innen.

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