Grüner Placebo-Kompromiss?

Der Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH) wollte von den Grünen wissen, was Robert Habecks Worte für Patienten bedeuten. Habeck, Vorsitzender von Bündnis 90/ Die Grünen, stellte sich am 23. August den Fragen des ARD-Publikums – und stellte dort als Lösung des innerparteilichen Homöopathie-Konflikts eine Wahlleistung durch die GKV vor.

Habeck bezeichnet die Diskussion um die Homöopathie als eine “Placebo-Debatte” und nun auch für beendet. Er hält sie für völlig überzogen und unnötig, es gehöre sich nicht, sagt er, über die Erstattung von homöopathischen Behandlungen und Medikamenten durch Krankenkassen zu streiten, wo es doch ganz “andere Probleme im Gesundheitssystem” gebe. Also hat der Bundesvorstand der Grünen beschlossen, der innerparteilichen Debatte ein Ende zu setzen. Die Lösung: Krankenkassen sollen die Homöopathie über einen Wahltarif erstatten. “Wer homöopathische Medikamente bezahlt haben möchte, kann sich über einen Sondertarif versichern und die Allgemeinheit zahlt nicht dafür.”

“Doch was bedeutet diese Lösung für GKV-Versicherte und uns Patienten, die sich homöopathisch behandeln lassen?”, fragt sich Meinolf Stromberg, Vorsitzender des BPH. Seit Jahren erstattet ein Großteil der Kassen die ärztliche Homöopathie, einige auch die verordneten Arzneien. Für die Kassen liegen die Kosten für dieses Engagement im Promillebereich im Verhältnis der Gesamtausgaben. Robert Habeck kündigt also Veränderungen an.

Unterm Strich soll die Homöopathie Teil der GKV bleiben, aber von denen, die sie nutzen, soll sie separat gezahlt werden.

Der BPH wollte von den Grünen wissen, was Habecks Worte für Patienten bedeuten und stellte Fragen an die Bundesgeschäftsstelle von Bündnis90/Die Grünen:

  • Heißt das, dass es eine quasi private Zusatzversicherung innerhalb der GKV für bestimmte Leistungen geben soll?
  • Der Wahltarif Homöopathie als freiwillige Leistung der GKV wurde von Jens Spahn abgeschafft – könnte eine Wiedereinführung eine Lösung für die Homöopathie innerhalb der GKV sein?
  • Die Ausgaben der GKV für homöopathische Leistungen liegen im Promillebereich. Rund 70% der Bevölkerung wünscht sich ein Miteinander der konventionellen Medizin und den besonderen Therapierichtungen (SGB V) – warum setzen sich die Grünen nicht für mehr Wahlfreiheit und Pluralismus in der Medizin ein?
  • Ärztlich verordnete homöopathische Arzneien für Kinder bis einschließlich des 12. Lebensjahrs werden bis jetzt von der GKV übernommen. Möchten Sie diese Regelung beibehalten?

Die Antwort der Grünen Pressesprecherin Nicola Kabel bringt aus BPH-Sicht nicht viel Klarheit:

  • „Im Augenblick liegt ein Vorschlag vor, der im Kern vorsieht, die Möglichkeit von Wahltarifen zur Erstattung homöopathischer Behandlungen zu schaffen. Wer diesen Wahltarif wählt, kann die homöopathische Behandlung von der Gesetzlichen Krankenkasse erstattet bekommen.”

Nun müssen die Grünen aus einer Aussage zu einem handfesten Beschluss kommen, der spätestens auf der Bundesdelegierten-Konferenz im November in Karlsruhe Thema sein wird. Konflikt beendet?

BPH Forderungen an die Grünen

“Wir Patientinnen und Patienten vertrauen der Homöopathie, weil wir gute Erfahrungen mit ihr machen”, sagt Meinolf Stromberg. Konkret nennt Stromberg zwei Bereiche: “In der Selbstmedikation von leichteren Erkrankungen helfen wir uns und unseren Familien selbst, auf eigene Kosten. So vermeiden wir nebenwirkungsstarke Medikamente und häufig auch einen Arztbesuch. Die andere Situation ist ernster: Viele Patientinnen und Patienten kommen erst zur Homöopathie, wenn sie in der konventionellen Medizin als austherapiert gelten oder massive Nebenwirkungen ihrer konventionellen Behandlung erleben.” Deshalb fordert der BPH von den Grünen,

dass die Homöopathie nicht teure Zusatzleistung wird

dass die Grünen sich für den Erhalt der Therapiefreiheit und des Methodenpluralismus in der GKV stark machen.

“Zur Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen werden wir einen detaillierten Katalog mit den Bedürfnissen von Homöopathie-Patient*innen vorlegen”, kündigt Meinolf Stromberg an.

Auch das Deutsche Ärzteblatt greift dieses Thema mit einem dpa-Beitrag auf.

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Für eine starke Homöopathie-Gemeinschaft: Mitglied werden im BPH.

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