Homöopathie als Alternative zu Antibiotika

Weltantibiotikawoche, 12.-18.11. 2018

Die diesjährige Weltantibiotikawoche steht in der Europäischen Region der WHO im Zeichen eines einheitlichen Gesundheitsansatzes. Die Gesundheit des Menschen und die Gesundheit von Tieren ist untrennbar miteinander verknüpft, der übermäßige Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht beschleunigt die Ausbreitung antimikrobieller Resistenzen – mit potenziell verheerenden Folgen für die menschliche Gesundheit.

Am 1. April 2014 konnte der Wiener Univ.-Prof. Dr. med. Michael Frass, 1. Vorsitzender der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie, WissHom, im Europäischen Parlament in Brüssel über Homöopathie als Alternative
zu Antibiotika referieren. Wir dokumentieren diese Rede:

Der Nutzen der Antibiotika ist unbestritten. InfektiologInnen weisen jedoch seit jeher auf einen verantwortungsvollen und sparsamen Gebrauch von Antibiotika zur Vermeidung antimikrobieller Resistenzen hin. Das Problem der Antibiotika ist einerseits die zunehmende Resistenzbildung gegen Keime, andererseits wird aber
auch das zugrunde liegende Problem einer Infektion, nämlich die Sanierung des Terrains, nicht erreicht. Als weiteres Problem ergibt sich, dass z. B. 90% aller Infektionen der oberen Atemwege virusbedingt sind, jedoch 75% aller Antibiotika für Infektionen der oberen Atemwege verschrieben werden.

Mehrere Arbeiten zeigen, dass Homöopathie bei bestimmten Erkrankungen, die üblicherweise mit Antibiotika behandelt werden, zumindest gleichwertig ist wie Antibiotika. Wissenschaftliche Untersuchungen zum Gebrauch der Homöopathie als Alternative zu Antibiotika wurden vor allem bei Infektionen der Atemwege und bei Mittelohrentzündungen durchgeführt. Eine internationale Beobachtungsstudie mit 500 PatientInnen mit Beschwerden des oberen oder unteren Respirationstrakts oder Ohrbeschwerden zeigte, dass 83% der PatientInnen mit Homöopathie eine Verbesserung erfuhren im Gegensatz zu 68% mit konventioneller Medikation. Auch hatten die homöopathisch behandelten PatientInnen eine schnellere Erleichterung der Beschwerden (67,3%) als die konventionell behandelten (56,6%).

Mehrere randomisierte Placebokontrollierte doppel-blinde klinische Studien mit 100 bis 200 PatientInnen beweisen die Effektivität der Homöopathie bei Krankheitsbildern, die meist mit Antibiotika behandelt werden, z. B. akute oder chronische Sinusitis, Bronchitis und Mittelohrentzündungen.
In einer rezenten randomisierten Placebo-kontrollierten Pilotstudie wurde die homöopathische mit der konventionellen Behandlung der akuten Otitis media (Mittelohrentzündung) verglichen. In der konventionellen Gruppe wurden alle 40 (100%) Patienten geheilt, in der Homöopathiegruppe 38 (95%), wobei 2 (5%) bei den Folgeuntersuchungen nicht erschienen. In der konventionellen Gruppe wurden bei 39 (97,5%) Patienten
Antibiotika verschrieben, in der Homöopathiegruppe wurden keine Antibiotika gebraucht. Die symptomatische Verbesserung war in der Homöopathiegruppe rascher.

Da bei der Homöopathie das Placeboargument im Raum steht, sei auch auf eine rezente Untersuchung an Ferkeln hingewiesen. Diese observer-blinded, randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie untersuchte, ob die Gabe von
potenzierten E. Coli Bakterien (Coli 30K) an Mutterschweine in deren letztem Schwangerschaftsmonat einen Einfluss auf die Häufigkeit der postpartalen Diarrhöe der Ferkel hat. 52 Mutterschweine erhielten entweder Verum oder Placebo. 525 Ferkel wurden geboren, wobei nur 3,8% in der Homöopathiegruppe an Diarrhöe litten
im Vergleich zu 23,8% in der Kontrollgruppe (p<0.0024).

Eine Metaanalyse über homöopathische Behandlung bei Infektionen war sowohl bei 17 Studien mit binärem Outcome als auch bei 10 Studien mit kontinuierlichem Outcome positiv für die Homöopathie. Als Konsequenz daraus kann man bei entsprechender Ausbildung und Kenntnis eine sorgfältige homöopathische Behandlung nach Diagnosestellung und Monitoring bei Infektionen anwenden. Somit können Antibiotika für schwere Infektionen reserviert und die drohende Gefahr einer antimikrobiellen Resistenz abwendet werden.

Literatur
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Univ.-Prof. Dr. Michael Frass (Wien, A)

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