Corona und Homöopathie – Fragen und Antworten

Den Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH) erreichen in diesen Tagen viele Fragen von Patientinnen und Patienten zum Thema Corona und Homöopathie. Sieben dieser Fragen hat Dr. med. Ulf Riker, Internist / Homöopathie aus München, beantwortet. Ulf Riker ist Vorsitzender des Landesverbandes Bayern im Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte und regelmäßig Autor des BPH-Blogs.

Kann ich mit Grippe-Symptomen zum homöopathischen Arzt gehen?

Wir können derzeit drei Krankheitsbilder unterscheiden: Erkältungsinfekte, Grippe und die Corona-Infektion.

Für Erkältungen sind vor Allem Niesen, Schnupfen und Halsschmerz bei eher geringem oder fehlendem Fieber typisch, hier kommen ein paar Hausmittel oder ein bewährte symptomatische homöopathische Arzneien in Frage.

Kommen ausgeprägte Gliederschmerzen hinzu, so ist eine Grippe wahrscheinlicher, ebenso in Fällen, bei denen starke Kopfschmerzen bestehen. Hier hat die Homöopathie je nach Symptomen und Modalitäten sehr gut zu differenzierende homöopathische Arzneien zur Verfügung, die Behandlung sollte dem Therapeuten vorbehalten bleiben. Stehen hohes Fieber und Husten im Zentrum der Beschwerden, dann muss sorgfältig zwischen Grippe und Corona-Infektion unterschieden werden, am besten mittels Rachenabstrich.

Bei Verdacht auf Corona-Infektion kann selbstverständlich auch nach den Regeln der Homöopathie behandelt werden, zum Schutz des homöopathischen Arztes, seiner Mitarbeiter*innen oder anderer Patient*innen sollte ein Besuch in der Praxis allerdings vermieden werden, die Anamnese kann, wenn homöopathische Begleitung und Therapie gewünscht wird, telefonisch oder via Skype erfolgen. Bei Corona-Verdacht sollten die Vorgaben der WHO bzw. des Robert-Koch-Institutes sowie der lokalen Gesundheitsämter unbedingt Berücksichtigung finden.

Darf mich ein homöopathischer Arzt/Ärztin behandeln?

Selbstverständlich! Ärzte können auf Grund ihrer Ausbildung und Erfahrung unterscheiden, ob eine Infektion ambulant behandelt werden kann bzw. wann eine Klinikeinweisung notwendig wird. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn trotz bestmöglicher Therapie eine zunehmende Atemnot oder eine Verschlechterung des klinischen Bildes eintritt. Da es zur Zeit keine gezielten Therapiemöglichkeiten gegen Corona und auch noch keine Impfung gibt und lediglich Quarantäne empfohlen wird, bleiben betroffene Patienten ohne Therapie. Demgegenüber kann eine homöopathische Behandlung auf jeden Fall dazu beitragen, Schwere und Dauer der Krankheit zu minimieren. Ob es sich dann um einen Placebo-Effekt (wie die Kritiker der Homöopathie meinen) oder um eine arzneibezogene Wirkung handelt, kann in der aktuell extrem angespannten Situation des Gesundheitssystems getrost offen bleiben: wichtig bleibt allein, dass den Patienten geholfen werden kann!

Wie sieht dann die Therapie aus?

Homöopathie geht – unabhängig von einer relevanten klinischen Diagnosestellung! – immer vom individuellen Mosaik der Patientensymptome aus und sucht diejenige Arznei, die eine größtmögliche Ähnlichkeitsentsprechung zwischen Patientensymptomen und Arzneimittelbild zeigt. Das setzt – wie immer – eine präzise Anamnese, zumindest der Akutsymptome voraus. Besonders wichtig ist im Falle einer gesicherten Corona-Infektion der engmaschige Kontakt mit dem Patienten: es ist in jedem Fall zu gewährleisten, eine Verschlechterung des Krankheitsbildes (Luftnot, bleibend hohes Fieber etc.) zu erkennen, damit ohne Zeitverlust bei Verdacht auf eine Pneumonie eine Klinikeinweisung in die Wege geleitet werden kann. Dies gilt besonders bei älteren, chronisch vorerkrankten Patienten. Die Sicherheit für den Patienten steht immer im Zentrum der ärztlichen oder homöopathischen Überlegungen!

Wie sieht die konventionelle Therapie aus?

Eine gezielte antivirale Therapie zur breiten Anwendung steht derzeit nicht zur Verfügung. Die Vermeidung sozialer Kontakte dient der Verhinderung einer allzu schnellen Ausbreitung des Virus. Einige Arzneien, die für ganz andere Indikationen entwickelt wurden stehen derzeit in der Erprobung. Symptomatische Therapie, z.B. Fiebersenkung kann Linderung schaffen und für Patienten mit chronischen Erkrankungen auch notwendig sein; zu berücksichtigen bleibt aber immer, ob eine Unterdrückung körpereigener immunologischer Regulationsmechanismen sinnvoll oder unter Umständen nicht kontraproduktiv sind.

Was ist, wenn der Corona-Test positiv ist? Betreut mich der homöopathische Arzt dann weiter?

Wenn die Symptome klar sind spricht nichts gegen eine homöopathische Behandlung! Telefon oder Skype, Zoom etc. machen einen relativ engen Arzt-Patienten-Kontakt möglich, auch ohne direkten Besuch in der Praxis. Jeder homöopathische Arzt und jede Ärztin werden in eigener Verantwortung entscheiden, wie sie den Kontakt zum Patienten gestalten und aufrechterhalten wollen und können. Eine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit des homöopathischen Arztes muss aber im Hinblick auf Komplikationen auf jeden Fall gewährleistet sein.

Geht das, Homöopathie am Telefon oder Bildschirm?

Ja, das geht! Besondere Umstände erfordern auch besondere Lösungsoptionen. Im Fall von Grippe oder Corona geht es um klare und eindeutige Symptome und deren Modalitäten. Diese zu erkennen und den Ärzten weiter zu geben ist ein wichtiger Beitrag des Patienten. Das aber setzt eine gewisse Übung seitens der Betroffenen voraus. Insofern ist ein guter und gewachsener Kontakt zwischen Patient und homöopathischen Ärzten mindestens ebenso wichtig wie eine funktionierende Kommunikationstechnik.

Wie ist in der aktuellen Situation die Kooperation zwischen homöopathischen Ärzten und der konventionellen Medizin?

Homöopathische Ärzt*innen sind genauso Ärzt*innen wie ihre Kollegen in anderen Praxen oder Kliniken. Homöopathen berücksichtigen selbstverständlich die Erkenntnisse von Virologen oder Epidemiologen sowie die daraus abgeleiteten politischen bzw. gesundheitspolitischen Konsequenzen. Ärzte mit Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ bieten ihre zusätzliche therapeutische Kompetenz an und handeln ausschließlich auf Wunsch der Patienten bzw. deren Angehörigen. Von Seiten der homöopathischen Ärzteschaft gibt es keine Berührungsängste zur konventionellen Medizin. Es wäre wünschenswert, wenn in einer absoluten medizinischen Ausnahmesituation wie der aktuellen Pandemie homöopathische Angebote auch von Seiten der konventionellen Medizin im Interesse der Patient*innen Tolerierung fänden.

Jetzt Mitglied werden im BPH.

3 Kommentare

  1. Antworten

    Endlich wagt sich ein führender homöopathischer Arzt mal in die Öffentlichkeit, was die homöopathische Behandlungsoption bei Corona-Verdacht bzw. Covid-Patienten anbelangt. Sehr gute, klar differenzierende Stellungnahme von Dr. Ulf Riker, Respekt! Mögen viele homöopathische Ärzt*innen das aufgreifen und möge auch die Bundesstelle des DZVhÄ diesem mutigen, engagierten Beispiel folgen.

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Font Resize