Homöopathie in Frankreich: geliebt und gefährdet

Die Homöopathie hat in Frankreich eine lange Tradition, ihre Verbreitung wurde durch Dr. Samuel Hahnemanns Pariser Praxis begünstigt, die er dort von 1835 bis zu seinem Tod 1843 betrieb. Heute ist die Homöopathie in Frankreich sehr beliebt, noch beliebter als in Deutschland (!). Eine aktuelle repräsentative Umfrage des französischen Ipsos-Instituts zufolge haben bereits 77 Prozent der Franzosen homöopathische Arzneien genutzt. In Deutschland, so das Ergebis einer Kantar TNS-Studie aus dem Frühjahr 2018, waren es 56 Prozent. Positive Erfahrungen der Verwender mit der Homöopathie sind in beiden Ländern gleich hoch: 72 Prozent der Franzosen haben positive Erfahrung mit Homöopathie bei Gesundheitsproblemen gemacht. Ebenso 72 Prozent der Patienten in Deutschland sind mit Wirksamkeit und Verträglichkeit der Homöopathie zufrieden, besagt eine Studie von forsa aus dem Jahr 2017. Doch auch in Frankreich wird die Homöopathie angegriffen, berichten Mitglieder der französischen Patientenverbände beim jährliche Treffen des European Federation of Homeopathic Patients’ Associations im Oktober in Stuttgart. Die Diskussion in den Medien ist sehr angeheizt, homöopathische Ärzte werden in Frankreich, vergleichbar mit verbalen Attacken in Deutschland, als Scharlatene verunglimpft. Nun wurde bekannt, dass das Gesundheitsministerium Anfang 2019 die Homöopathie auf ihre naturwissenschaftliche Wirksamkeit überprüfen wird. Die positiven Erfahrungswerte der Patienten und die hohe Akzeptanz der Homöopathie in der französischen Bevölkerung, werden da nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Seit 1965 im französischem Gesundheitssystem verankert

Die Patientenverbände befürchten, das trotz der guten Erfahrungen in Zukunft die Krankenkassen die Homöopathie nicht mehr erstatten dürfen. In Frankreich werden seit Jahrzehnten etwa 30 Prozent der Therapiekosten durch das staatliche System übernommen. In Deutschland übernimmt die Mehrzahl der Krankenkassen eine homöopathische Behandlung auf Basis sogenannter Selektivverträge oder auch homöopathische Arzneimittel als Satzungsleistungen. Laut Kantar TNS ist es 64 bzw. 66 Prozent der Deutschen wichtig, dass der Arzt auch Medikamente der Homöopathie einsetzen kann bzw. diese in der Apotheke erhältlich sind.

Zurück zur Ipsos-Umfrage: Rund 50 Prozent der Franzosen nutzen seit vielen Jahren regelmäßig  die Homöopathie – aus Überzeugung, nicht aus Glauben, so die Erfahrung von Ärztinnen und Ärzten der französischen Ärztegesellschaft für Homöopathie (SNMHF). Patienten möchten sich auch nicht zwischen der konventionellen Medizin und der Homöopathie entscheiden müssen, sie setzen auf ein Miteinander der unterschiedlichen Therapierichtungen. Das Konzept der Integrativen Medizin wird sowohl in Frankreich wie in Deutschland sehr hoch geschätzt: 71 Prozent der Franzosen und 83 Prozent der Deutschen sprechen sich dafür aus.

Nun hoffen die französischen Patientenverbände, das Präsident Emmanuel Macron sich als erklärter Europäer für den Erhalt der Homöopathie als ein in ganz Europa verbreitetes Heilverfahren einsetzt.

 

 

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