Homöopathie in der Kritik: Wer dahinter steckt

Schon einmal gab es den Versuch, die Homöopathie aus dem Gesundheitssystem zu eliminieren: zu Beginn des letzten Jahrhunderts nahmen einflussreiche politische Organisationen und Stiftungen in den USA die ergänzenden naturheilkundlichen Therapieverfahren als Bedrohung für die konventionelle Medizin wahr und brachten  unter Anderem die Homöopathie in Misskredit, weil sie unwissenschaftlich und daher gefährlich sei. In diesem Zusammenhang entwickelte sich in den USA schließlich um 1975 die Bewegung der „Skeptiker“. Grundüberzeugung der „Skeptiker“ war (und ist bis heute), dass ausschließlich Rationalität in der Lage sei, die Phänomene der Welt und des Lebendigen zu beschreiben und zu bewerten. Auf diesem Fundament entwickelte sich GWUP (Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften). Alles, was (noch) nicht rational zu begründen ist gilt ihren Vertretern als paranormal und damit auch als unwissenschaftlich. Weil die Wirkung höher potenzierter homöopathischer Arzneien mangels nachweisbarer Moleküle nicht plausibel zu begründen sei, handele es sich bei der Homöopathie um unwissenschaftliche Paramedizin, also eigentlich um Humbug. Interessat ist, dass diese Gesellschaft in ihrem Namen den Anspruch der Forschung vertritt, jedoch selber nicht wissenschaftlich aktiv ist.

INH (Informations-Netzwerk Homöopathie) ist ein direkter Ableger von GWUP. Mit dem harmlos klingenden Anspruch der Information findet Polemik Einzug in die Debatte, argumentiert wird im Hinblick auf Homöopathie mit dem „Argument“, dass „nicht sein kann, was nicht sein darf“. Homöopathische Arzneien können gar nicht wirken, weil es derzeit noch keine plausible Hypothese zum Mechanismus der Wirkung gibt. Und weil es eine solche (noch) nicht gibt, gehört dieser „Unfug“ verboten, weitere Forschung ist bestenfalls lächerlich –  der eigene wissenschaftliche Anspruch der INH-Vertreter bleibt dabei auf der Strecke. Übrig bleibt für die Dogmatiker von GWUP und INH lediglich, positive Studienergebnisse zu leugnen, verzerrt oder wahrheitswidrig darzustellen, Patientenerfahrungen als Einzelfälle abzutun, Homöopath*innen als Scharlatane zu verunglimpfen und vor Allem im Internet Stimmung gegen die Homöopathie zu machen.

Bemerkenswert ist, dass der weitaus größte Teil der Wortführer contra Homöopathie in Deutschland weder Ärzte sind noch eine Ausbildung in Homöopathie absolviert haben. Neben einem Maschinenbau-Ingenieur, einigen Naturwissenschaftlern, einer Medizinethikerin, einem Zauberer und Anderen gibt es keine Ärztinnen oder Ärzte, die mit Zusatzbezeichnung Homöopathie regelmäßigen Patientenkontakt haben. Ihre Argumentation beruht ausschließlich auf theoretischen Überlegungen, ihre Schlussfolgerungen gründen auf reinem Dogmatismus. Eine einzige Ärztin war nach abgeschlossener Homöopathie-Ausbildung ursprünglich mit dieser Methode niedergelassen und nach eigener Aussage erfolgreich – mutierte dann aber zur Kronzeugin gegen die Homöopathie und ist heute Kommunikationsmanagerin der GWUP.

Es ist einleuchtend, dass ohne eigene Fachkompetenz und einschlägige Praxiserfahrung nur das Mittel der medialen Kampagne bleibt, Beleidigungen inklusive. Leider lassen sich Presse, Funk und Fernsehen oft unkritisch vor den Karren dieser Skeptiker spannen. Man darf darüber spekulieren, auf welchen Wegen der Feldzug gegen Homöopathie materielle Unterstützung findet: es müssen gar nicht, wie oft angenommen, direkt „die Pharmafirmen“ dahinter stecken; wahrscheinlicher ist, dass es wie ehemals in den USA, Lobbyorganisationen und finanzstarke Stiftungen mit engen wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen sind.

Dem gegenüber stehen mündige Bürgerinnen und Bürger mit eigenen persönlichen Erfahrungen, mit der Freiheit des Denkens, mit eigenen Wertevorstellungen, mit ihrem Stimmrecht bei Wahlen und, im Falle von Krankheit, mit dem Wunsch nach individueller Therapie in einem pluralistischen System der Medizin!

Der Autor: Der Münchner Internist Dr. Ulf Riker macht sich im BPH-Blog Gedanken über die Homöopathie und ihre Gegner, über Wissenschaft und mündige Bürger. Dr. Riker hat die Zusatzbezeichnungen Homöopathie und Naturheilverfahren, war Leitender Arzt eines internistischen Akutkrankenhauses, ist seit mehr als 20 Jahren in München in eigener Praxis niedergelassen und in der ärztlichen Weiterbildung tätig.

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