Homöopathie: Therapievielfalt und Selbstbestimmung des Patienten erhalten

Die Diskussion um die Homöopathie schlägt einmal mehr hohe Wellen. Im Sommerloch nichts ungewöhnliches, ist dies doch Karl Lauterbachs Lieblingsthema. Im Juli 2010 sagte er im Tagespiegel, “dass Homöopathie wirkungslos sei und deshalb keine Kassenleistung sein dürfe”, also das, was er auch 2019 demselben Autor erzählt. Doch vor neun Jahren pfiff ihn die SPD zurück, das sei halt ein “echter Lauterbach” gewesen, hieß es, und nicht Fraktionsmeinung. Heute ist das anders, die Parteien haben sich in der Diskussion noch nicht positioniert und ob Lauterbach inzwischen eine Mehrheit findet, ist noch nicht entschieden. Meinolf Stromberg, Vorsitzender des  Bundesverbandes Patienten für Homöopathie (BPH, www.bph-online.de) befürchtet, dass nach und nach Grundrechte von Patientinnen und Patienten ausgehöhlt werden: “Wir haben ein Recht auf Therapievielfalt und möchten als Patienten über unsere Therapie mit bestimmen. Die gegenwärtige Diskussion wird über die Patienten hinweggeführt und geht an unseren Bedürfnissen vorbei.”

Angefeuert durch die aktuelle Entscheidung der französischen Gesundheitsbehörde HAS, ab 2021 homöopathische Arzneimittel nicht mehr zu erstatten, fühlen sich all jene, die seit Jahren die Homöopathie aus Forschung und Lehre, Apotheke und Kassensystem verbannen möchten, berufen, in den Abgesang der Homöopathie einzustimmen.

“Medizin ist keine Naturwissenschaft”

Die Worte von Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, ehemaliger Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) und Mitbegründer des Dialogforums Pluralismus in der Medizin, sind längst vergessen: „Medizin ist keine Naturwissenschaft, sondern eine Erfahrungswissenschaft, die sich auch wissenschaftlicher Erkenntnisse aus anderen Fachgebieten bedient“. Heute soll nur die Leistung im GKV-System erstattet werden, die nach einer sehr eingeschränkten Auslegung der evidenzbasierten Medizin definiert wird. Hier fehlen dann die Erfahrungen des Arztes und auch die der Patienten. Josef Hecken, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G BA), er entscheidet über die Pflichtleistungen der Krankenkassen, sagte der FAZ über die Homöopathie-Erstattungspraxis: „Damit leisten wir uns in einem ansonsten ganz überwiegend rational und wissenschaftlich verankerten Gesundheitssystem einen irrationalen und unwissenschaftlichen Ausreißer“. Doch die Praxis sieht anders aus, eher im Sinne von Prof. Hoppe. Niemand weiß – keine KBV, keine BÄK oder andere Institution – wie viel Evidenzbasierte Medizin (EbM) tatsächlich in der Praxis angewendet wird. Maximal 20 Prozent schätzen die einen, 30 Prozent andere – viele möchten sich zu diesem Thema nicht äußern.

Homöopathie ist in Deutschland keine reguläre Kassenleistung

Im Rahmen von freiwilligen Leistungen können gesetzliche Krankenkassen die Homöopathie erstatten, rund 2/3 aller Kassen tun dies. Jedoch nur, wenn die Therapie von sehr spezialisierten Vertragsärztinnen und Vertragsärzten durchgeführt wird: Sie müssen eine fachärztliche Ausbildung abgeschlossen haben und zusätzlich über das Homöopathie-Diplom des DZVhÄ verfügen. Die vom Vertragsarzt auf dem grünen Rezept verordneten homöopathischen Arzneimittel muss der Patient in aller Regel selber bezahlen, einige Kassen übernehmen auch diese Leistung freiwillig. Zulasten der GKV werden – gemessen an den gesamten Arzneimittelausgaben – nur etwa 0,03 Prozent für Homöopathika ausgegeben.

Patienten fordern Therapievielfalt

Patienten erwarten von ihren Therapeuten, dass sie über den Tellerrand der konventionellen Therapie blicken. Rund 60.000 Ärztinnen und Ärzte therapieren laut Hufelandgesellschaft inzwischen auch mit einer komplementären Heilmethode. 75 Prozent der Deutschen wünschen sich eine integrative Medizin, dem Zusammenwirken von konventioneller und komplementärer Medizin, zu der auch die Homöopathie gehört. Viele Patienten machen die Erfahrung, dass ihnen die konventionelle Medizin alleine – vor allem bei langwierigen und chronischen Erkrankungen – nicht helfen konnte. Auf der Webseite des Bundesverbandes Patienten für Homöopathie erzählen Patienten ihre Geschichten, häufig von immer wiederkehrenden Erkrankungen, die konventionell nicht in den Griff zu bekommen waren. Dieses Erleben wird vom Bertelsmann Gesundheitsmonitor 2014 wissenschaftlich untermauert. Mehr als 50 Prozent der Deutschen haben bereits Erfahrung mit Homöopathie – und sie sind auch die Beitragszahler der gesetzlichen Krankenversicherung.

 

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