Humboldt, Hahnemann und Homöopathie

Als Alexander von Humboldt 1769 zur Welt kam, war Samuel Hahnemann 14 Jahre alt. 250 Jahre später feiert die Welt mit Humboldt einen ihrer großen Naturforscher, die Entdeckung und Beschreibung phänomenologischer und ursächlicher Zusammenhänge zeichnet ihn als Universalgenie aus.

„Die Natur muss gefühlt werden. Wer sie nur sieht und abstrahiert kann Pflanzen und Tiere zergliedern, er wird die Natur zu beschreiben wissen, ihr aber selbst ewig fremd sein.“  Alexander von Humboldt

Humboldt macht deutlich, dass Sehen, Abstrahieren und Zergliedern notwendige Voraussetzungen der Naturerkenntnis sind. Analyse im Sinne des Zerteilens in Fragmente beschreibt aber nur einen Teil alles Lebendigen: sie bedarf der anschließenden Synthese, um das organische Miteinander der Einzelteile sehen, erleben, ja spüren zu können. Wer Natur als Ganzes nicht fühlen kann bleibt der Natur selbst (womöglich auch seiner eigenen) ewig fremd!

Patienten fühlen und erleben die Wirksamkeit der Homöopathie weltweit seit zwei Jahrhunderten. Ihre Gegner hingegen zerpflücken mit analytischem Verstand Lehrgebäude und Studienergebnisse und machen damit deutlich, wie fremd ihnen Natur und Potential der Homöopathie (meist mangels eigener Erfahrung) geblieben sind. Zergliedern hat wie jede Medaille zwei Seiten: die helle Seite bedeutet Fortschritt durch Erkenntnis (z.B. molekularer Zusammenhänge), die dunkle Seite aber Rückschritt durch Aufgabe von Zusammenschau und Verlust von Ganzheit. Die hochkomplexe Realität lebendiger Systeme lässt sich nur andeutungsweise in Statistik und Studie beschreiben, wer sich allein auf diesen verkürzten Wissenschaftsbegriff beruft, dem wird eine – im besten Sinne wert-konservative – Zusammenschau von Fakten und Phänomenen ewig fremd bleiben. Den Unterschied zwischen Placebo, mäßig guter homöopathischer Arzneiverordnung und Volltreffer kann nur der Mensch, aber niemals eine Studie herausfinden.

Homöopathie hat in der Tat offene Fragen, zum Beispiel hinsichtlich ihres Wirkmechanismus. Es wäre beste humboldtsche Tradition, sich dem noch Unklaren mit vorurteilsloser Neugier zuzuwenden, anstatt das Ende der Diskussion um die Homöopathie zu fordern. Offene Fragen sind Herausforderungen für forschende Wissenschaft. Doch wo Analyse allein keine Klarheit schaffen kann, hat Erfahrung als Leistung von Synthese und Beobachtung ihren Platz. Ein Vierteljahrtausend nach Humboldt wäre es wohl an der Zeit, sich der ähnlich alten Homöopathie mit Offenheit und Leidenschaft immer wieder neu anzunehmen, damit sie moderner Naturwissenschaft nicht ewig fremd bleibt

Autor: Dr. med. Ulf Riker, Facharzt für Innere Medizin / Homöopathie – München

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2 Kommentare

  1. Antworten

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Ein kleines Gedicht zur Homöopathie:

    HOMÖOPATHIE

    Homöopathie stößt an Grenzen,
    Es fehlt letztlich der Beweis.
    Sie kann Schulmedizin ergänzen,
    Und damit schließen den Kreis.

    Sie kann keinen Krebs kurieren,
    Auch nicht streikende Nieren.
    Erkältung und Gliederschmerzen
    Kann sie sehr wohl ausmerzen.

    Wo Schulmedizin die Waffen streckt,
    Wird oft letzte Hoffnung geweckt.
    Wettbewerb ist niemals schlecht,
    Es gilt stets, wer heilt hat Recht.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Mit freundlichen Grüßen

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