Teil 4: Wenn Kinder an Infekten leiden – Mittelohrentzündung

Was tun bei…? Eine fünfteilige Serie von Dr. med. Ina Chammah über häufige Infektionskrankheiten bei Kindern, geschrieben für den Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH).

Acht bis zwölf Infektionen pro Jahr sind bei Säuglingen und Kleinkindern noch normal, schreibt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Dennoch stellen sich Eltern jedes Mal aufs Neue die Frage, was im Fall der Fälle der beste Weg zur Gesundheit ihres Kindes ist. Die Braunschweiger Ärztin Dr. Ina Chammah hat für Fieber,   Bindehautentzündungen, Magen-Darm-Grippe, Mittelohrentzündungen und Husten die üblichsten Therapiemöglichkeiten aufgeschrieben. Sie erklärt, wie die Krankheiten normaler Weise verlaufen und beschreibt die jeweiligen Risiken und Komplikationen, auf die es zu achten gilt.  Ina Chammah hat bei ihren Beschreibungen auch an die Eltern gedacht, die in der Nacht mit ihrem Kind allein sind und es gerne naturheilkundlich oder homöopathisch behandeln möchten, aber aus Sorge vor gefährlichen Verläufen verunsichert sind.

Als Ärztin lenkt Dr. Chammah auch den Blick auf die konventionelle Therapie und erklärt, wann ein schulmedizinisches Arzneimittel angewendet werden sollte. Sie beschreibt, was es bewirkt und was nicht. Aber auch: Welches Risiko gehen Eltern ein, wenn sie ihrem Kind die schulmedizinische Medikation vorenthalten.

Als Ärztin mit Zusatzbezeichnung Homöopathie nennt Dr. Chammah die homöopathischen Mittel, die für die Indikationen in Frage kommen. Sie empfiehlt in jedem Fall noch einen ausführlichen Ratgeber oder die Online-Arzneimittelbeschreibungen des BPHs bei der Arzneimittelwahl hinzuziehen. Außerdem werden von Chammah auch einige Mittel oder Anwendungen aus der Naturheilkunde vorgestellt.

Teil 4: Mittelohrentzündung

Krankheitsgeschehen

Eine Infektion des Mittelohres geschieht zumeist aufsteigend aus dem Nasen-Rachenraum. Das Mittelohr ist ein mit Schleimhaut ausgekleideter Hohlraum, über die Tube findet ein Druckausgleich statt und es kann Sekret in den Rachenraum abfließen, aber natürlich auch Viren (40%) und Bakterien (60%) in das Mittelohr. 60% aller Kinder bis 3 Jahren haben eine Mittelohrentzündung durchgemacht.

Stufen der Verlaufs

  •     Rötung des Trommelfells
  •     Sekret hinter Trommelfell
  •     Eiter hinter Trommelfell
  •     Reißen des Trommelfell

Risiken und Komplikationen

  • Sprachentwicklungsverzögerung durch langanhaltenden Paukenerguß
  • Masteoditis 1 : 100.000 – eine Mastoiditis ist eine eitrige Entzündung des Schädelknochens hinter dem Ohr
  • Hörschädigung durch Gehörknöchelchendestruktion
  • Hirnabszeß/Gehirnhautentzündung

Die Selbstbehandlung einer Mittelohrentzündung muss immer von einem erfahrenen Therapeut begleitet werden!

Schulmedizinische Therapie

Mit einer Mittelohrentzündung wird in den Ländern sehr unterschiedlich umgegangen, so werden in den Niederlande 31% der Patienten antibiotisch, in den USA 98% antibiotisch behandelt.

Die empfohlene Therapie ist zunächst Abwarten, wenn kein Eiter zu sehen ist, dann ab dem 3. Tag Antibiose. Bis dahin Behandlung mit einem Schmerzmittel und Kochsalzlösung. Als Schmerzmittel kommen in Frage: Parazetamol 10-15mg /kg KG bis 4x täglich oder Ibuprofen: 30mg/kg KG pro Tag verteilt 4 x.

Antibiotikanutzen bezüglich Schmerzen

  • 60% der Patienten haben ohne Therapie nach 24 Stunden keine Schmerzen mehr
  • 80% der Patienten haben ohne Therapie nach 48 Stunden keine Schmerzen mehr.

Antibiotikanutzen bezüglich Hörvermögen oder Paukenerguss

  • kein Effekt nachweisbar.
  • Sprachentwicklung verläuft bis zum 6. Lebensjahr normal, auch wenn Paukenerguss lange besteht.

Antibiotikanutzen bezüglich Masteoditis

  • Nutzen wahrscheinlich, aber nicht erwiesen.
  • Sehr seltene Komplikation, daher ist der Beweis des Nutzens sehr gering. Aber Masteoditis kann auch unter Antibiose auftreten.

Nutzen der schleimhautabschwellenden Mittel auf die Belüftung

  • Es gibt keine Studien, die den Nutzen dieser Mittel belegen. Empfehlung: Kochsalzlösung.

Homöopathische Behandlung einer Mittelohrentzündung

Belladonna: heftig, akut, plötzlich hohes Fieber mit Schweiß und heftige Schmerzen, rotes Gesicht

Aconitum: heftig, akut, plötzlich hohes Fieber ohne Schweiß und heftige Schmerzen, rotes Gesicht welches blass wird beim Aufrichten; nach Ostwind; Unruhe; Angst

Ferrum phosphoricum: nach einem Tag mit stärkeren Symptomen, dann  abends mäßiges Fieber und Ohrenschmerzen

Pulsatilla : kurz nach Zubettgehen Ohrenschmerzen; Wärme verschlechtert; Kälte verbessert; gelber Schnupfen; braucht viel Trost.

Dulcamara: nach Kaltwerden im Sommer. z.B. Klimaanlage oder Einbruch der Nacht.

Naturheilkundliche Behandlung

Zwiebelsäckchen, auch eine Wärmelampe bringen oft Linderung.

Weitere umfangreiche Tipps für die Selbstmedikation mit Hilfe der Homöopathie erhalten Sie hier.

Unsere Selbstmedikations-Broschüre ´Homöopathie to go` stellen wir Ihnen hier vor.

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