Italien: Corona-Pandemie und Homöopathie – eine Dokumentation

Ein Beitrag von Heidi Brand

Am 11. April 2020 stand Italien weltweit an dritter Stelle der bestätigten Corona-Infizierten. Die Lombardei, insbesondere Bergamo, Brescia, Lodi und Mailand, waren am stärksten betroffen. Italienische homöopathische Ärzte aus allen betroffenen Regionen behandelten COVID-19-Patienten nach den Regeln Hahnemanns und trugen ihre Ergebnisse zusammen, die sie uns zur Verfügung stellten. Zwei dieser Ärzte sollen hier vorgestellt werden, die über ihre Erfahrungen und die jeweilige Arzneimittelwahl berichten. Die Potenz der verabreichten Arzneien wurde von beiden Ärzten individuell je nach Schwere der Symptome entschieden.

Dr. Massimo Mangialavori

…ist Chirurg /  klassische Homöopathie in Bologna und Castel del Piano. Er zählt weltweit zu den engagiertesten und bekanntesten homöopathischen Ärzten, ist Autor von über 20 Fachbüchern und auf der ganzen Welt ein gefragter Referent. Er erklärte sich sofort bereit, Corona-Patienten auch kostenfrei homöopathisch zu begleiten – zusätzlich zu seinen eigenen Patienten. Durch seine immense Erfahrung und aus Überzeugung verordnet Dr. Mangialavori eine homöopathische Arznei niemals nur aufgrund von Symptomen in Verbindung mit unzureichend belegten Krankheitszuständen. Vielmehr erarbeitet er für jeden Patienten ein individuelles Konstitutionsmittel entsprechend einer aufwendigen Anamnese, was allerdings aus Zeitmangel während einer Epidemie häufig nicht zu bewältigen ist.

Schon der Begründer der Homöopathie, Dr. Samuel Hahnemann, entwickelte deshalb eine Vorgehensweise, bei einer Epidemie bzw. einer Pandemie diejenige homöopathische Arznei zu finden, die eine große Zahl der Krankheitssymptome abdeckt, die bei vielen Patienten in ähnlicher Form auftreten. Diese Arznei ist der sogenannte „Genius epidemicus“, worunter auch unterschiedliche Arzneimittel fallen können – je nach Symptomatik des Patienten.  Mangialavori beobachtete und notierte entsprechend Hahnemanns Vorgaben die Symptome seiner eignen und die der hinzugekommenen COVID-19-Patienten. Mitte Mai 2020 waren es 148 ihm bisher unbekannte Patienten, die er per Videokonferenz oder Telefon betreute, der Großteil war zwischen 52 und 85 Jahre alt. 98 Patienten zeigten durch die Behandlung bereits nach 3-4 Tagen eine deutliche Besserung. Bei 15 Patienten konnte eine langsame Besserung und bei 33 Patienten keine eindeutige Reaktion wahrgenommen werden. 2 Patienten mussten in der Klinik behandelt werden – jedoch ohne Beatmung oder weitere Komplikationen. Dr. Mangialavori konnte (im Vergleich zu konventionell behandelten Patienten) eine sehr schnelle Besserung im Verlauf der Infektion beobachten.

Seine Bestandspatienten behandelte er zu 80 Prozent erfolgreich mit ihrem Konstitutionsmittel, nur in 20 Prozent der Fälle musste ein anderes Mittel verordnet werden, das die Corona-Symptomatik im Detail abbildete. Allen Patienten ging es schnell besser, doch auch unter dieser Gruppe mussten 2 Patienten in die Klinik eingewiesen werden. Leider konnten nicht mehr Patienten versorgt werden, da viele homöopathische Mittel in Italien nicht mehr verfügbar waren. Keiner der Patienten aus beiden Gruppen entwickelte ernsthafte akute Symptome, Komplikationen oder erlitt einen Rückfall.

Es zeichneten sich folgende drei Mittel als Genius epidemicus ab: Chininum muriaticum (Chininum hydrochloricum,) Grindelia robusta (Grindelia-, Gummikraut), Camphora (Cinnamomum camphora)

Genius epidemicus versus Konstitutionsmittel?

Die homöopathischen Arzneien, die einem Genius epidemicus entsprechen, können sicherlich bei einer Pandemie eine gute Hilfestellung zur Linderung der Krankheitssymptome sein. Es steht außer Frage, dass ein gut gewähltes Konstitutionsmittel durch einen erfahrenen homöopathischen Therapeuten den Königsweg darstellt.

Unterstützende Therapieempfehlungen:

Gesunde Ernährung, Frischluft und ausreichend Vitamin D. (Anm. d. Autorin: In Verbindung mit Vitamin D wird ebenso die Einnahme von Vitamin K empfohlen).

Weitere Informationen über Dr. Massimo Mangialavori erhalten Sie auf seiner Webseite.

Dr. Giuseppe Fagone

…ist Hausarzt in Mailand, er betreut in seiner Praxis rund 1600 Patienten, 630 davon ältere Menschen über 80 Jahre. Vermutlich behandelte er bereits seit Januar 2020 Corona-Patienten, die jedoch zum damaligen Zeitpunkt noch nicht getestet und somit nicht bestätigt waren. Sie zeigten deutliche Corona-Symptome und wurden nach klassischen homöopathischen Richtlinien therapiert. Bis Ende Februar musste keiner dieser etwa 70 Erkrankten auf Grund ihrer Symptomatik ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Dr. Fagone setzte in dieser Zeit hauptsächlich folgende vier homöopathische Arzneien ein: Bryonia, Gelsemium, Eupatorium perfoliatum und Phosphorus.

Als sich die Epidemie in Mailand verdichtete, wurden zuverlässige Testungen durchgeführt. Dr. Fagone konnte dann ab März 2020 32 bestätigte COVID-19-Fälle mit Homöopathie behandeln und betreute sie ambulant in häuslicher Quarantäne. 12 weitere Corona-Patienten wies er ins Krankenhaus ein, von denen 3 beatmet werden mussten. 4 Patienten verstarben. Es handelte sich dabei um Patienten mit akutem Schlaganfall, Herzinfarkt (beide wurden in der Klinik positiv getestet), sowie 1 Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung und 1 Diabetiker. Sie waren im Alter zwischen 76 und 85 Jahren.

Ab März verordnete er vor allem Bryonia, Chininum sulfuricum, Belladonna und Phosphorus.

Unterstützende Therapieempfehlungen:

Dr. Fagone empfahl all seinen Patienten ebenfalls zusätzlich tägliche Gaben von Vitamin D und Vitamin C sowie gesunde Ernährung und viel Flüssigkeit.

Weitere Informationen:

  • FIAMO – Federazione Italiana Associazioni e Medici Omeopati:
  • Facebook Dr. Giuseppe Fagone

Dokumentation homöopathischer Behandlungen

Die Società Italiana de Medicina Omeopathica dokumentierte zwischen Januar und April 2020 fünfzig Patienten mit COVID-19-Symptomen, die durch ihren Hausarzt homöopathisch behandelt wurden. Kriterien für die Auswahl der Fälle waren ein positiver Test oder charakteristische Symptome (wie Fieber, Schwäche, trockener Husten, Halsschmerzen, Schmerzen im Brustraum, Brustenge, Konjunktivitis, Muskel- und Knochenschmerzen) und ein Wohnsitz in einer epidemischen Zone.

Die Patienten stammten aus allen Teilen Italiens. Alle wurden in häuslicher Quarantäne von insgesamt 24 homöopathischen Ärzten behandelt. Die Behandlung erfolgte per Video- und Telefonkonferenz nach den Regeln der klassischen Homöopathie mit Einzelarzneien, die streng nach Symptomatik ausgewählt wurden, die normale Medikation chronischer Erkrankungen wurde beibehalten. Innerhalb der zwei Beobachtungsmonate gab es keine Todesfälle, es musste keine Beatmung eingesetzt werden und alle Patienten konnten zu Hause behandelt werden.

Patienten im Alter von 3-17 Jahren hatten im Mittel eine Erkrankungsdauer von 10 Tagen, bei Patienten im Alter von 22-79 Jahren betrug sie im Durchschnitt 14,9 Tage.

Weitere Informationen zu dieser Dokumentation.

Fazit zum Einsatz italienischer Homöopathen

Viele klassisch homöopathisch arbeitende italienische Ärzte haben in ihrem möglichen Handlungsrahmen ein hohes Engagement gezeigt, an COVID-19 erkrankte Patienten zu betreuen – mit sehr guten Ergebnissen. Etwa 750 Homöopathen waren sofort bereit, in dieser Krise ihr Wissen einzubringen. Auch wenn leider im Vergleich zu den hohen Infektions- und Todeszahlen zu wenige Erkrankte davon profitieren konnten, waren die Ergebnisse doch ausgezeichnet, denn die Genesungsrate war sehr hoch. Sowohl Dr. Mangialavori als auch Dr. Fagone konnten die meisten ihrer Patienten nach der ersten Krankheitsphase als geheilt betrachten. In den kommenden Monaten sollen die wissenschaftlich dokumentieren Fälle nun ausgewertet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Hintergründe der Epedemie in Italien

Was führte dazu, dass in diesen Gebieten viele Menschen schwer erkrankten?

  • Italien war unvorbereitet als erstes europäisches Land mit gehäuften Fällen von COVID-19 konfrontiert.
  • Das örtliche Gesundheitswesen stieß sehr schnell an seine Grenzen. Es mangelte an ausreichend Möglichkeiten sowohl an Krankenhaus- als auch an Beatmungsplätzen.
  • In den letzten 5 bis 10 Jahren wurden 21 % der finanziellen Mittel für die medizinische Forschungsarbeit gekürzt.
  • Italien weist weltweit den zweithöchsten Altersdurchschnitt auf. Das bedeutet, dass in Italien überdurchschnittlich viele ältere Menschen leben und somit deutlich mehr Personen in die Corona-Risikogruppe fallen.
  • Durch die große Industrieansiedlung in der dicht besiedelten Lombardei kommt es zu einer hohen Luftverschmutzung. Atemwegserkrankungen treten dort gehäuft auf.
  • Im Allgemeinen werden im Mittelmeerraum schnell über einen längeren Zeitraum hohe Dosen Antibiotika eingesetzt. Dies begünstigt generell die Bildung multiresistenter Keime (wie z.B. MRSA), was die Behandlung von COVID-19 zusätzlich erschwerte. Naturheilkundlich orientierte Ärzte in Italien gehen davon aus, dass durch den massiven Einsatz von Antibiotika das Immunsystem vieler Patienten geschwächt wurde.
  • Im Januar 2020 wurden in Bergamo in einer von den Behörden initiierten Aktion 34.000 insbesondere ältere Menschen gegen Meningokokken C geimpft. Als mögliche Nebenwirkung des Impfens kann eine Lähmung der Atemwegsmuskulatur auftreten.
  • Ein niedriger Vitamin D-Spiegel schwächt das Immunsystem erheblich und erhöht die Gefahr einer Corona-Infektion. Darüber hinaus steigt das Risiko eines schweren Verlaufs mit Komplikationen. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D kann entsprechend den Schweregrad der Erkrankung verringern.

Weitere Informationen zu COVID-19:

Autorinnen: Heidi Brand / Petra Bernhardt in Zusammenarbeit mit: Dr. Massimo Mangialavori und Dr. Giuseppe Fagone

Für eine starke Homöopathie-Gemeinschaft: Mitglied werden im BPH.

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