Selbstbehandlung mit Homöopathie – aber sicher!

Selbstbehandlung mit Homöopathe ist eine gute Möglichkeit, sich von der Wirksamkeit der Homöopathie zu überzeugen. Geeignete Literatur, intensive Beschäftigung mit der Methode und ihren Regeln, eine gut ausgestattete homöopathische Hausapotheke sind ebenso wichtig wie ein vertrauensvoller und enger Kontakt zum homöopathischen Hausarzt oder erfahrenen Heilpraktiker.

Homöopathie wirkt und ist sicher

Damit diese Aussage zutrifft müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Die homöopathische Arznei muss zum Symptombild einer Krankheit möglichst genau passen ( Simile-Regel entsprechend dem „Schlüssel-Schloss-Prinzip“)
  2. Die Krankheit muss klare Symptome haben, die zu einer passenden Arzneiwahl führen können
  3. Die Krankheit, ihr möglicher Spontanverlauf sowie drohende Komplikationen müssen bekannt sein
  4. Im Falle der Selbstbehandlung müssen die Regeln der Arzneifindung genau beachtet werden
  5. Bei ernsteren Krankheiten sollten erfahrene (am besten homöopathisch ausgebildete) Therapeuten erreichbar sein

Homöopathie hat auch Grenzen

Diese sind erreicht, wenn eine Arznei nicht rasch und eindeutig zu einer Besserung der Krankheitssymptome und des Allgemeinbefindens führen. Vielleicht war das Symptombild nicht klar genug, um auf eine geeignete Arznei zu schließen. Oder die Krankheit entwickelt sich schnell und lässt nicht ausreichend Zeit für die Entwicklung einer Heilwirkung durch das Mittel. Vielleicht passt die zur Verfügung stehende Potenz einer richtig gewählten Arznei nicht zur Dynamik der Krankheitsentwicklung. Oder es kommt zu Komplikationen im Krankheitsverlauf, was Sie mangels medizinischer Kenntnis oder homöopathischer Erfahrung schlicht überfordert. In solchen Fällen sollten Sie immer die Selbstbehandlung mit Homöopathie beenden und sich kompetenten medizinischen Rat holen.

Beachten Sie also immer folgende Regel

1. Für die Selbstbehandlung mit Homöopathie beobachten Sie möglichst genau und vollständig, wie sich die Krankheit bemerkbar macht! Zu einem möglichst vollständigen Symptom gehören eine genaue Lokalisation (wo?), die Art und Weise wie sich die Beschwerden anfühlen (wie?), die Umstände der Verbesserung oder Verschlimmerung einzelner Symptomaspekte (wodurch besser / schlechter?), Begleitsymptome in anderen Körperregionen (womit verbunden?) und evtl. eine plausible und zeitnahe Ursache (warum?)

Ein Beispiel

Eine Halsentzündung ist auffallend linksbetont (wo?), die linke Rachenmandel (wo?) ist bläulich-rot, geschwollen und der Hals fühlt sich innen eng und zusammengeschnürt (wie?) an, der Schmerz ist schlimmer beim Schlucken von warmer Flüssigkeit, während sich feste Nahrung eher besser schlucken lässt, Leerschlucken ist schmerzhaft (wodurch besser / schlechter?), die Patientin fühlt sich fiebrig-heiß (womit verbunden?) und ist extrem empfindlich auf Beengung oder Berührung außen am Hals (womit verbunden?). Am Tag zuvor hat sie vielleicht erfahren, dass ihr Mann ein Verhältnis zu einer anderen Frau hat (warum?), jetzt ist sie rasend eifersüchtig… Zugegeben, dieses Beispiel ist konstruiert (vor Allem die potentielle Ursache der Krankheit), aber könnte dennoch genau so vorkommen. Die passende Arznei wäre Lachesis, das Gift der Buschmeisterschlange.

2. Wenn Sie einfach nur „Halsweh“ haben, aber die Art des Schmerzes oder die Modalitäten der Verbesserung / Verschlimmerung nicht näher beschreiben können und auch sonst keine auffallenden Begleitsymptome wahrnehmen, dann können Sie die Homöopathie in diesem Fall vergessen, weil jeder Versuch nur ein Raten oder Fischen im Trüben wäre. In solchen Fällen ist es besser, einen Halswickel zu machen, Tee zu trinken, mit Salbei, Kamille oder einem Präparat aus der Apotheke zu gurgeln und abzuwarten, ob Sie schnell wieder gesund werden oder ob sich in den folgenden Stunden erst klare Symptome einstellen. Erst wenn sich ein möglichst vollständiges Symptom auftaucht, können Sie damit rechnen, auch eine passende homöopathische Arznei zu identifizieren.

3. Die beschriebene Halsentzündung kann in eine Phase der Eiterbildung auf den Rachenmandeln übergehen, es kann sich unter Umständen ein Abszess bilden, Bakterien können streuen und in der Folge Niere oder Herzklappen in Mitleidenschaft ziehen. Bei einer solchen Entwicklung sollten Sie unbedingt einen Arzt zu Rate ziehen! Entweder ist jetzt ein Antibiotikum notwendig, oder ein erfahrener Homöopath begleitet Sie, möglicherweise mit mehreren aufeinander folgenden homöopathischen Arzneien durch diese Krankheit.

4. Als „Anfänger“ sollten Sie sich auf eine Hausapotheke beschränken, in der die wichtigsten Mittel in der Potenz D 12 enthalten sind. Haben Sie bereits mehr Erfahrung in der Selbstbehandlung mit Homöopathie bzw. unter Anleitung Ihres homöopathischen Arztes oder Heilpraktiker gesammelt, dann können Sie auch C 30 anwenden. An folgenden Dosierungsrichtlinien können Sie sich orientieren:

  • Eine Gabe entspricht 3-5 Globuli
  • Bei D 12 sollten Sie den Arzneireiz in kürzeren Abständen (je nach Aktualität alle 15 Minuten bis alle 2-3 Stunden) wiederholen, und zwar so lange, bis subjektiv (und objektiv z.B. Fiebersenkung) Besserung eintritt. Wenn eine solche nicht eintritt, war die Arzneiwahl nicht korrekt oder die Potenz zu schwach.
  • Eine C 30 hat den Vorteil, dass Sie bei ausreichender Sicherheit in der Mittelwahl rascher erkennen können, ob eine Wende zur Heilung eintritt. Ist das der Fall, dann können Sie nach Stunden die Gabe wiederholen, falls der Heilungsprozess stagniert.
  • Die Reaktion des Körpers auf die homöopathische Arznei zeigt Ihnen, ob Sie auf dem richtigen Weg sind: werden die Ziel-Symptome oder das Allgemeinbefinden, am Besten aber Beide spürbar besser, dann freuen Sie sich über Ihren Erfolg! Werden einige Symptome besser, andere aber schlechter, dann sollten Sie Ihre Mittelwahl hinterfragen und nach einer besseren Arznei Ausschau halten. Wenn Sie gar nicht weiterkommen wenden Sie sich an Ihre Ärztin / Ihren Arzt.
  • Bitte denken Sie immer daran: Heilung bedeutet nicht nur, dass es Ihnen subjektiv besser geht! Auch die objektiven Symptome müssen besser werden oder verschwinden. Im obigen Beispiel wäre es nicht ausreichend, wenn Sie zwar besser schlucken können, das Fieber aber ansteigt oder die Eiterung sich ausbreitet. Im Gegenteil: die Eiterung muss zurückgehen, ebenso das Fieber, Ihre Energie sollte zu und das Krankheitsgefühl sollte abnehmen. Idealerweise müssen sich auch Abstrich-Befund oder Entzündungszeichen im Blut normalisieren. Erst dann dürfen wir von Heilung sprechen. Erst dann sind Sie auf der sicheren Seite.

Autor: Dr. med. Ulf Riker, Internist – Homöopathie, Mai 2019

Tipp: In unserem Webinar am 28. Mai, 19 Uhr, zur Reiseapotheke erklärt Heike Sebastian, welche homöopathische Arzneien für welche Beschwerden Sie unbedingt mit auf eine Reise nehmen sollten.

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