Selbsterfahrung: Eitrige Schleimbeutelentzündung – Homöopathie statt Chirurgie?

Zugegeben: ich bin voreingenommen. Seit 30 Jahren praktiziere ich Homöopathie, ich habe mich unzählige Male davon überzeugen können, dass eine richtig gewählte homöopathische Arznei „Wunder“ bewirken kann, wie ich sie als Internist mit konventioneller Therapie nur sehr selten beobachten durfte. Dennoch bin ich seit 30 Jahren auch skeptisch und frage mich, ob das eigentlich sein kann oder sein darf, was ich sehe und was Patienten mir als Reaktion auf Arzneigaben berichten.

So gesehen ist es gut, selbst krank zu werden und zu sehen, wo die Grenzen der Homöopathie, aber auch der konventionellen Medizin liegen. Ich bin dankbar, dass meine Krankheit keine wirklich bedrohliche war, aber doch immerhin so ernst, dass eine zugezogene Chirurgin mir zu einer Operation für den nächsten Tag geraten hatte:

An meinem linken Ellbogen entwickelte sich, vermutlich nach intensivem „Knibbeln“ einer hier sehr trockenen und rissigen Hautstelle eine rasch zunehmende Entzündung samt starker, schmerzhafter Schwellung. Unter der leichtfertigen Vorstellung „was kommt verschwindet auch wieder“ nahm ich den Befund zunächst nicht ernst und habe die Stelle mit einer desinfizierenden und entzündungswidrigen Salbe behandelt. Da ein mehrtägiger Kongressbesuch anstand, habe ich das Reisegepäck mit sterilen Kompressen, Mullbinden und einer schwarzen Zugsalbe ergänzt . Zweimal täglich angewandt ließ sich die Entzündung von dieser Therapie nicht wirklich beeindrucken, die Entzündung breitete sich aus, die Schwellung nahm zu Kinderfaustgröße zu, die gesamte Ellenbogenregion war äußerst berührungsempfindlich und bläulichrot verfärbt. Auch eine Gabe Lachesis C 200 blieb leider ohne die erwünschte Besserung.

Nach 5 Tagen Therapie mit Zugsalbe und weiterer Größenzunahme der Schwellung wurde der Inhalt weicher, es zog sich Gewebsflüssigkeit – oder Eiter? – zusammen, und langsam bekam ich es mit der Angst zu tun: aus einer solchen Schleimbeutelentzündung könnte sich immerhin auch eine Sepsis („Blutvergiftung“) entwickeln. Meine Hoffnung blieb, den Entzündungsherd ohne Skalpell zu öffnen – wer schneidet sich schon gerne selbst, obendrein als Internist ohne chirurgische Erfahrung, einen offenkundigen Abszess auf? Zurück von der Tagung ein letzter Versuch mit Hepar sulfuris D 12, 2 Gaben, und siehe da, in der folgenden Nacht öffnete sich die Eiterung und die ganze gelbgrüne „Suppe“ fand ihren Abfluss. Weil aber die Entzündung weiter bestand, sich sogar noch intensivierte und ich mit meinem Latein am Ende war, kam die Chirurgin ins Spiel: mit ernstem Blick eröffnete sie mir „der Schleimbeutel muss raus, und zwar so schnell wie möglich, Sie riskieren eine Sepsis, das bekommen Sie nicht mehr in den Griff! Nehmen Sie denn schon ein Antibiotikum?“ Termin zur Operation unter Vollnarkose am nächsten Tag. Das Antibiotikum habe ich nicht genommen. Dann Anruf bei einem sehr erfahrenen homöopathischen Kollegen: hast Du noch irgendeine Idee oder soll ich`s operieren lassen? „Nimm noch eine Gabe Mercurius, wenn das nichts bringt, dann ist die OP fällig!“

Geraten, getan! Mercurius solubilis C 30, 2 Gaben im Abstand von 3 Stunden am Spätnachmittag. Gegen 20 Uhr zu Bett gegangen. Sofort eingeschlafen. Sehr tief geschlafen. 2,5 Stunden. Um 22.30 Uhr erwacht, Gefühl es sei bereits Morgen des nächsten Tages. Ich hätte aufstehen können mit dem Gefühl ausgeschlafen zu sein. Noch eine Gabe Mercurius, diesmal C 200. Der Rest ist schnell erzählt: am nächsten Morgen Verbandwechsel, die großflächige entzündliche Rötung war – über Nacht! –  um mindestens 50 Prozent zurückgegangen, ebenso die Schmerzempfindlichkeit und die Schwellung. Den Operationstermin für den Spätnachmittag habe ich abgesagt. 24 Stunden später war der Befund weiter sehr deutlich besser, ein „Wunder“? Diesmal das richtige „Placebo“? Spontanheilung? Trotz des massiven Befundes und der dringenden Warnung der Chirurgin? Glaube an die Kompetenz des Kollegen, der mir Mercurius empfohlen hatte? Alles zusammen? Ist das möglich, und vor Allem: ist das plausibel?

“Die schnelle Heilung hätte ich nicht erwartet”

Ich glaube nicht an WunderAber ich habe seit vielen Jahren beobachtet, was Homöopathie kann. Ich hätte diese rasante Besserung und schließliche Heilung nicht erwartet. Ich war froh, dass es für mich eine Chirurgie und Antibiotika gegeben hätte, die das Problem ebenfalls hätten lösen können. Oder müssen! Aber ich bin auch froh, dass ich meinen Schleimbeutel behalten konnte. Ich bin mir bewusst, dass ich ein erhebliches Risiko auf mich genommen habe. Deshalb rate ich auch den Lesern dieser Zeilen nicht, es mir gegebenenfalls nachzumachen. Ich hatte nur meine eigene Gesundheit riskiert, bei unseren Patienten müssen wir als homöopathische Ärzt*innen sehr viel vorsichtiger sein und die Grenzen für den Einsatz der  Homöopathie unter Umständen deutlich enger ziehen. Patientensicherheit hat immer oberste Priorität, im Feld der konventionellen Medizin wie auch im Rahmen der Homöopathie!

Dr. med. Ulf Riker, Internist – Homöopathie – Naturheilverfahren / München

Sie möchten den BPH unterstützen oder selber aktiv werden? Dann werden Sie Mitglied im Bundesverband Patienten für Homöopathie!

2 Kommentare

  1. Antworten

    Verena Peyer

    Hahnemann lässt grüßen 😀😀😀😀 sehr guter, sachlicher, profunder Bericht. Danke.

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Font Resize