Süddeutsche Zeitung: Fragwürdige Heiler an der Uni Tübingen

Die Uni Tübingen bekommt einen neuen Lehrstuhl für Komplementärmedizin, das hatte die schwarz-grüne Landesregierung in Baden-Württemberg beschlossen. Gemeinsam mit dem Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart wird dies nun umgesetzt. Der Journalist Werner Bartens wendet sich am 28. Oktober in der Süddeutschen Zeitung (SZ) vehement gegen diesen neuen Lehrstuhl. “Der Beitrag verzerrt in unzulässiger Weise Inhalt und Hintergründe des Themas „Professur für Komplementärmedizin“ und bedarf der sachlichen Korrektur,” schreibt Dr. med. Ulf Riker, Internist / Homöopathie aus München, in einem Leserbrief an die SZ, den wir hier wiedergeben.

Leserbrief zum Beitrag: Tübingen bekommt umstrittenen Lehrstuhl für alternative Heilverfahren

Bartens macht sich zum Sprachrohr einer „Fachwelt“, die „skeptisch reagiert“, zitiert aber ausschließlich einen einzigen „Skeptiker“ (Norbert Schmacke). Schmacke ist Professor für Versorgungsforschung, im Gegensatz zum Dekan der Uni Tübingen (Prof. Autenrieth) also ohne regelmäßigen Patientenkontakt. Ein ziemlich „dünnes“ Bartens-Argument also, wenn man gleichzeitig erfährt, dass eine ganze Fakultät kontrovers diskutiert und am Ende die Professur beschlossen hat.

  1. Weil Schmacke offenbar ein derart wichtiger Experte in Sachen Komplementärmedizin ist, wird auch noch sein Anti-Homöopathie-Buch („Der Glaube an die Globuli“) zitiert, womit der Eindruck erweckt wird, es handele sich bei Komplementärmedizin um Homöopathie! Das ist fachlich falsch (was Bartens auch genau weiß!), soll aber das Wasser der Diskussion um die Professur auf die Mühlen der Homöopathie-Gegner leiten. Hier werden Fakten in unseriöser und perfider Weise vermischt und dadurch verzerrt!
  2. Zur Komplementärmedizin – als Alternative oder Ergänzung zur „Schulmedizin“ – gehören Klassischen Naturheilverfahren, Entspannungstechniken, teilweise jahrtausendealte Heiltraditionen wie Ayurveda oder traditionell chinesische Medizin, aber auch Osteopathie und, ja, auch Homöopathie! Alle haben weiteren Forschungsbedarf, um ihre Wirkweise, ihre therapeutischen Effekte, aber auch ihre Grenzen zu erkennen. Was – außer einem mit Zähnen und Klauen verteidigten Alleinvertretungsanspruch der „Schulmedizin“ – spricht eigentlich gegen einen Ort seriöser Forschung an einer Universität?
  3. Bartens stellt sich argumentativ selbst ein Bein: Die Fachwelt könne bisher nicht seriös belegen, dass die oft pauschal als sanft titulierten Behandlungen in ihrer Wirkung über den Placeboeffekt hinausgehen. Dann aber argumentiert er gegen den Versuch, das im universitären Bereich zu ändern. Wo bleibt die Logik? Und wo die wissenschaftliche Neugier? Sollen Bartens und andere „Skeptiker“ bestimmen, worüber in Zukunft noch geforscht werden darf, was also „wissenschaftsfähig“ ist und was nicht? Nein, diese Entscheidung gehört nicht in die SZ, sondern in die Hand von seriösen Ärzten und Wissenschatlern, die wissen wovon sie reden!
  4. Es wird – wieder einmal – sehr subtil der Eindruck erweckt, homöopathische Ärzte würden mit Zuckerkügelchen Krebs heilen wollen. Das ist absoluter Unfug! Sorgfältig arbeitende homöopathische Ärzte halten ihre Patienten nicht prinzipiell von Therapien wie Chemotherapie oder Bestrahlung ab, aber sie begleiten ihre Patienten durch diese Phasen der Krankheit (was die „Schulmedizin“ oft vermissen lässt!), und sie haben homöopathische Arzneien, um Nebenwirkungen und Beschwerden zu lindern. Das ist für Betroffene viel, liegt aber wohl außerhalb des Blickfeldes von Herrn Bartens!

Dr. med. Ulf Riker, Internist – Homöopathie – Naturheilverfahren, Wensauerplatz 10, 81245 München

 

 

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