TAZ versucht am Image der Homöopathie zu kratzen

„Aber was nötig wäre, das ist das Zerschlagen der öffentlichen, der sozialen Reputation der Homöopathie“, schreibt der Skeptiker-Stratege Udo Endruscheit am 1. Dezember 2018 in einem Diskussionsforum auf dem anonymen Skeptiker-Blog Psiram. Genau dies wird in der Homöopathie-Titelgeschichte vom 2./3. März der taz umgesetzt. Grundaussagen sind erstens  „Die Wirksamkeit der Homöopathie ist nicht belegt“  und zweitens „Die Homöopathie hätte mich fast umgebracht“ – also gefährlich. Damit soll das gute Image der Homöopathie, sanft, wirksam und nebenwirkungsfrei, angekratzt werden.

Ist Homöopathie gefährlich? Natalie Grams setzt Patientin in Szene

„Nicole Sagorski sagt, die Homöopathie habe sie fast umgebracht“, heißt es in der taz-Story. Autor Bernd Kramer hat sich mit Sagorski getroffen und ihre Geschichte erzählt. Nicht erzählt hat Kramer, dass die Patientin über den Kontakt mit Natalie Grams, die Hauptperson der taz-Geschichte und Skeptiker-Sprecherin, zu seiner Interviewpartnerin wurde. Sagorski hatte auch bereits auf Spiegel TV (Das Riesen-Geschäft mit der Homöopathie, 2018) ihre Geschichte zum Besten gegeben, auch auf Anregung von Grams – dies hat Sagorski uns auf Nachfrage berichtet. Sagorski wurde laut taz von ihrer Gynäkologin mit der homöopathischen Arznei Agnus Castus (Mönchspfeffer) D 2 gegen nicht enden wollende Regelblutungen behandelt. Kramer setzt die Geschichte ins passende Licht: „Die Gynäkologin reagierte eigenartig schroff…“, oder „…es sei doch eklig, blutend zur Untersuchung zu kommen.“ Die Diagnose der Frauenärztin: Sagorski leide an einer stressbedingten Zyklusstörung. Diese Diagnose ist falsch und fatal, die Patientin war an Gebärmutterhalskrebs erkrankt und nicht entsprechend behandelt worden. Die Frage, warum nun die Homöopathie die Patientin fast umgebracht habe, steht im Raum – unbeantwortet. Hätte die Gynäkologin die Patientin nun mit einer konventionellen Arznei falsch behandelt, hätte dann die konventionelle Medizin die Patientin fast umgebracht? Es bleibt ein ärztlicher Behandlungsfehler, der von Natalie Grams in Szene gesetzt wird, um die Reputation der Homöopathie anzukratzen. Grams als Ärztin und Kommunikationsmanagerin der Skeptiker-Organisation GWUP weiß genau, dass diese Geschichte für dieses Ziel gut geeignet ist, denn sie lässt sich nicht mehr widerlegen. Die Geschichte, die Grams-Kramer hier erzählen, spielte vor bereits 10 Jahren – das steht nicht in der taz, das berichtet uns Frau Sagorski. Anscheinend ist es nicht leicht unzufriedene Patienten zu finden, wenn ein Fall mehrfach bemüht werden muss, der 10 Jahre zurück liegt. Wir erfahren auch, dass die Ärztin schon länger nicht mehr praktiziert und in einem Pflegeheim untergebracht ist. Dass die Behandlungsunterlagen von der Praxisnachfolgerin vernichtet worden seien, berichtet Sagorski ungefragt. Obwohl Nicole Sagorski regelmäßig zu ihrer Gynäkologin ging, wurde sie nie zuvor homöopathisch behandelt. Ob ihre Ärztin eine Homöopathie-Ausbildung hatte, weiß Sagorski nicht. Wohl eher nicht, die Verschreibung einer Niedrigpotenz D 2 und dass es zuvor keine homöopathische Behandlung gegeben hat, legt das nahe – das weiß auch Natalie Grams…

Diese tragische Patientengeschichte wird gleich mehrfach von Grams genutzt, um dem Image der Homöopathie zu schaden. Eine falsche Diagnose, eine falsche Therapie, eine Ärztin im Pflegeheim und vernichtete Behandlungsunterlagen – und eine Patientin, die ihren Krebs überstanden hat. Was für eine Geschichte – nur mit Homöopathie hat sie nichts zu tun.

Für die Wirksamkeit gibt es keine Belege? Doch, jede Menge!

Unlängst hat Prof. Dr. med. Peter F. Matthiessen in der Deutschen Zeitschrift für Onkologie eine von 39 Professoren unterzeichnete Stellungnahme mit dem Titel „Homöopathie und intellektuelle Redlichkeit“  veröffentlicht. Er schreibt: „Angesichts fehlender Plausibilität zu den Wirkprinzipien der Homöopathie ist es Mode geworden, deren therapeutische Wirksamkeit in Abrede zu stellen, obwohl die hierzu publizierte Evidenz für eine Wirksamkeit spricht.“ In dieses Horn stößt nun auch taz Autor Bernd Kramer. Auf der Titelseite ist zu lesen, „Für die Wirksamkeit von Globuli gibt es keine Belege.“ Wie falsch. In der Vergangenheit wurde in skeptischen Beiträgen der Homöopathie immerhin die Wirkung auf Placebo-Niveau bescheinigt, nun also gar keine mehr. Die Wirksamkeit der Homöopathie gilt als belegt, im Gegensatz zum Wirkmechanismus, der weiter erforscht werden muss. Beispiele:

  1. In der Schweiz gehört die Homöopathie seit rund zwei Jahren  zur Grundversorgung, ist also ein Teil der Krankenversicherung. Es war ein langer Weg dahin, Volksentscheide gab es und in Studien mussten die Therapiemethoden, die aufgenommen werden sollten, zeigen, dass sie das hielten, was sie versprachen. Das Urteil für die Homöopathie fiel schließlich klar aus: „Es liegen ausreichende Nachweise für die präklinische Effektivität und klinische Wirksamkeit der Homöopathie sowie für ihre Sicherheit und Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu schulmedizinischen Behandlungen vor.“ Zusammengefasst heißt das, die Homöopathie ist wirksam, sicher und wirtschaftlich.
  2. Dr. med. Robert G. Hahn ist schwedischer Anästhesist und Intensivmediziner und unter anderem außerordentlicher Professor am Karolinska Institut bei Stockholm. Er hat sich die Studienlage zur Homöopathie aus reiner wissenschaftlicher Neugier angesehen, weil er verstehen wollte, auf welchem Fundament die Homöopathie-Kritik steht. Sein Fazit: „Zur Schlussfolgerung, dass Homöopathie klinisch nicht wirksam sei, kann man nur kommen, wenn man 90 Prozent aller klinischen Studien zur Homöopathie ignoriert und nicht auswertet!“

Es gibt inzwischen viele Studien aus den unterschiedlichsten Forschungsbereichen. Alleine in den öffentlichen Datenbanken der Carstens-Stiftung werden über 4.000 Studien zur Homöopathie dokumentiert und auch das Londoner Homeopathy Research Institut stellt Studien vor, auch auf Deutsch. Davon erfahrenen taz Leserinnen und Leser nichts, weil dies nicht in die Story von der unwirksamen und gefährlichen Homöopathie passt.

Christoph Trapp

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