Teil 5: Wenn Kinder an Infekten leiden – Husten

Was tun bei…? Eine fünfteilige Serie von Dr. med. Ina Chammah über häufige Infektionskrankheiten bei Kindern, geschrieben für den Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH).

Acht bis zwölf Infektionen pro Jahr sind bei Säuglingen und Kleinkindern noch normal, schreibt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Dennoch stellen sich Eltern jedes Mal aufs Neue die Frage, was im Fall der Fälle der beste Weg zur Gesundheit ihres Kindes ist. Die Braunschweiger Ärztin Dr. Ina Chammah hat für Fieber,   Bindehautentzündungen, Magen-Darm-Grippe, Mittelohrentzündungen und Husten die üblichsten Therapiemöglichkeiten aufgeschrieben. Sie erklärt, wie die Krankheiten normaler Weise verlaufen und beschreibt die jeweiligen Risiken und Komplikationen, auf die es zu achten gilt.  Ina Chammah hat bei ihren Beschreibungen auch an die Eltern gedacht, die in der Nacht mit ihrem Kind allein sind und es gerne naturheilkundlich oder homöopathisch behandeln möchten, aber aus Sorge vor gefährlichen Verläufen verunsichert sind.

Als Ärztin lenkt Dr. Chammah auch den Blick auf die konventionelle Therapie und erklärt, wann ein schulmedizinisches Arzneimittel angewendet werden sollte. Sie beschreibt, was es bewirkt und was nicht. Aber auch: Welches Risiko gehen Eltern ein, wenn sie ihrem Kind die schulmedizinische Medikation vorenthalten.

Als Ärztin mit Zusatzbezeichnung Homöopathie nennt Dr. Chammah die homöopathischen Mittel, die für die Indikationen in Frage kommen. Sie empfiehlt in jedem Fall noch einen ausführlichen Ratgeber oder die Online-Arzneimittelbeschreibungen des BPHs bei der Arzneimittelwahl hinzuziehen. Außerdem werden von Chammah auch einige Mittel oder Anwendungen aus der Naturheilkunde vorgestellt.

Hier finden Sie alle Teile der Serie:

Teil 5: Husten

In diesem letzten Teil der Serie müssen wir in verschiedene Arten des Hustens unterscheiden, die auch unterschiedlich gefährlich für die Gesundheit des Kindes sind!

  1. Bronchitis

Eine Bronchitis ist eine Entzündung der Schleimhäute in den Atemwegen. Dabei wird Schleim produziert, der ausgeworfen werden muss. Manchmal sind die Schleimhäute gereizt aber produzieren keinen Schleim und es entsteht ein trockener, lästiger Reizhusten, oft am Anfang und Ende einer Infektion. Dann kann es durch eine Überreaktion der kleinen Bronchien oder Befall der Lungenbläschen zu Atemnot und pfeifen und Rasselgeräuschen kommen.

Es ist in jedem Fall ein erfahrener Therapeut hinzuzuziehen, eine Lungenentzündung mit Lebensgefahr kann nicht ausgeschlossen werden.

Meist sind Viren für diesen Infekt verantwortlich. Später können Bakterien hinzukommen.

Wichtig zu Wissen:

Tolerable Atemfrequenz im Wachzustand

1.-2. Lebensjahr (LJ): 30-40 Atemzüge pro Minute

2-4.  Lj: 23-42 Atemzüge pro Minute

3.-6. Lj: 19-36 Atemzüge pro Minute

6.-8. Lj: 15-30   Atemzüge pro Minute

Tolerable Herzfrequenz

2 Monate – 2 Jahre: 100-220 Schläge pro Minute          

Fieber: weniger als 220 Schläge pro Minute

2-10 Jahre: 80-150 Schläge pro Minute

Fieber: weniger als 220 Schläge pro Minute

Konventionelle Therapie

Bei einem unkomplzierten Husten gibt es diese Therapiemöglichkeiten:

  • schleimlösende Mittel, etwa mit Ambroxol, N- Acetylcystein, und
  • zusätzlich inhalieren von Kochsalz
  • nachts eventuell Hustenstiller bei Kindern ab 2. Lebensjahr.

Husten mit Pfeifen oder Atemnot:

  • Zusätzlich mit Salbutamol inhalieren 3-5x tgl.

Husten mit Rasselgeräuschen:

  • engmaschiger Kontakt mit dem Therapeuten + evtl. Antibiose

Homöopathische Therapie

Fragen zur Arznei: Welche Art von Husten ist es, wann tritt er auf? Modalitäten: Wann schlimmer/ besser: Kälte, Wärme, Aufrichten, Hinlegen, Heizungsluft, Trinken, Essen, Bewegung, Sprechen. Wie sieht das Sekret aus?

Husten selbst zu behandeln ist nicht leicht. Langfristige Erfolge sind nur bei einer konstitutionellen Behandlung durch einen erfahrenen Therapeuten möglich.

Mögliche Mittel:

  • Aconitum: trockener Husten nach Ostwind, trockenes Fieber, Unruhe
  • Rumex: Feder im Hals, < draussen, < kalte Luft, < tief Luftholen
  • Belladonna: bellend, nach Niederlegen im Bett,< Mitternacht
  • Hyoscyamus: trocken < hinlegen, Kopfschmerz bei Hustenstoß
  • Ipecuanha: Würgehusten, Keuchhustenartiger Husten
  • Pulsatilla: muß sich aufsetzen, besser kalte Luft und Getränke
  • Causticum: Husten mit Heiserkeit, kalte Getränke bessern
  • Phosphor: Husten im Freien, muß sich aufsetzen, schmerzlose Heiserkeit
  • Antimonium tart.: viel Schleim, Rasselgeräusche, kann Schleim nicht auswerfen.

Naturheilkunde

Schleimlösende Mittel:

  • Umckaloabo: stark Schleimlösend, unterstützt die Virenabwehr und verhindert Bakterienansiedlung
  • Sinupret
  • Bronchipret

Speziell für Kinder:

  • Aspecton (Thymian) oder Bronchicum Elixir ( Thymian, Primel),
  • als Saft: Monopax (Efeu, Sonnentau) , Tetesept (Spitzwegerich)
  • als Tee: Spitzwegerichkraut, Eibischwurzel Isländisch Moos, Sonnentau, Huflattich, Wollblumen.

2. Krupp Husten

Krankheitsgeschehen

Es handelt sich um eine Überreaktion der Kehlkopfschleimhaut am Beginn eines viralen Infektes. Meist hat das Kind nur in der ersten Nacht Beschwerden, danach entwickelt sich dann ein Infekt, der normal verläuft. Die Überreaktion des Kindes ist ein individueller Faktor, der nicht von der Virulenz des Erregers abhängt.

Symptome:

  • Keine Schluckstörung, Kein Speichelfluß DD Epiglottitis
  • Leichtes Fieber
  • Heiserkeit
  • Bellender Husten, wie in eine Tonne
  • Bei der Einatmung ein pfeifendes Geräusch oder sägeartig
  • Ausatmung frei.
  • Beschleunigte Atmung  und Puls

Komplikationen und Risiken:

  • Meist harmlos,
  • hat aber das Potenzial zu dramatischen Verlauf, wenn die Schleimhaut im Kehlkopf zuschwillt.

Gefährlich ist das Nicht-erkennen einer Kehldeckelentzündung, der Epiglottitis. Diese erkennt man an einer kloßigen Sprache, Speichelfluss, Schluckstörung, keine Unruhe beim Kind.

Dies ist eine zwar seltene aber eine lebensgefährliche Erkrankung beim Kind. Die fehlende Unruhe ist trotz der offensichtlichen Atembehinderung beim Kind ein Warnhinweis. Nomalerweise sind die Kinder mit einer Atembehinderung unruhig und ängstlich agitiert. Sollte eine Atembehinderung bestehen und das Kind den Speichel nicht schlucken können und dabei ruhig bleiben, dann darf das Kind nur untersucht werden, wenn die Möglichkeit einer Intubation besteht – Also in der Klink! Denn schon der Stress, der aufkommt, wenn ein Arzt in den Rachen schauen will, und den Spatel auf die Zunge legt, kann dazu führen, dass der Kehldeckel in kurzer Zeit anschwillt und den Luftweg ganz versperrt. Dies ist unbedingt zu vermeiden ohne die Möglichkeit intubieren zu können.

Konventionelle Therapie

  • 1. Heiserkeit, bellender Husten – das Kind beruhigen
  • 2. zusätzlich pfeifendes Geräusch bei der Einatmung – Rectodelt 100mg, bei starker Atemnot. Sonst 5-20 mg /kg KG
  • 3. Atemnot, Puls und Atmung beschleunigt = Notarzt

Homöopathische Therapie

  • Belladonna, Auslöser durch feucht, kaltes Wetter
  • Aconitum als 1. Mittel, Spongia oder Hepar sulfurisals folgendes, 2. Mittel
  • Spongia, Schlimmer: Trockene Kälte, trocken kalte Winde. Wenn es aus dem Schlaf geweckt wird. Vor Mitternacht. Liegen. Besser: Warme Speisen und Getränke. Beugen nach vorne bessert die Atemnot, kalter Nebel bessert den Husten. Beim Husten greift es sich an den Kehlkopf vor Schmerzen. Husten anfallsweise bei Temperaturveränderung. Gemüt: Angst, Todesfurcht bei Atemnot. Weinerlichkeit und Weinen beim Husten.
  • Hepar sulfurus, Schlimmer: Trockene Kälte. Kalter Wind. Kalte Getränke. Geringste Einflüsse: Entblößung, Berührung. Nach Mitternacht und in den frühen Morgenstunden. Besser: Wärme. Warmes Einpacken. Warmer Wasserdampf im Badezimmer; Beugen nach hinten bessert die Atemnot. Hält sich den Kehlkopf beim Husten. Gemüt: leicht reizbar, übellaunig. Heftige Gefühlsausbrüche.

Naturheilkunde

  • Im Badezimmer die Dusche laufen lassen, bis es ganz nebelig ist, dann mit Kind hineingehen. Wenn der warmen Wasserdampf hilft, dann sollte Hepar sulfuris gegeben werden.  
  • Mit Kind in die kühle Nachtluft hinausgehen. Wenn das hilft, dann sollte Spongia gegeben werden. 

 Weitere umfangreiche Tipps für die Selbstmedikation mit Hilfe der Homöopathie erhalten Sie hier.

Unsere Selbstmedikations-Broschüre ´Homöopathie to go` stellen wir Ihnen hier vor.

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1 Kommentar

  1. Antworten

    Dennis

    Ich bin als Baby viel zu früh geboren und lange Zeit war meine Lunge unterentwickelt. Die Ärzte haben mir regelmäßige Lungenentzündungen, schwere Hustenanfälle und Cortison für mein ganzes Leben prophezeit. Nach einem Jahr voll mit Spitalsaufenthalten durch Lungenentzündungen und Bronchitis haben meine Eltern eine Ärztin mit homöopathischer Zusatzausbildung gefunden und was soll ich sagen? Heute besteige ich Berge und laufe Marathons (ok zugegeben nur einen, aber trotzdem). Ja eine professionelle Beratung ist extrem wichtig in der Homöopathie, eine gründliche Anamnese und auch die Kombination mit konventionellen Mitteln ist wichtig, aber unter diesen Voraussetzungen kann Homöopathie wirklich enorm wirkungsvoll sein. Meiner Erfahrung nach vor allem bei Husten und Atemwegsproblemen.

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