Therapiesicherheit ist für Patienten ganz wichtig

Ist Homöopathie gefährlich und führt sie zu mangelnder Therapiesicherheit, weil Patienten durch den Einsatz von Globuli von einer wirksamen Behandlung abgehalten werden? So argumentieren häufig sogenannte Skeptiker –  Dr. med. Ulf Riker, Internist aus München, hält diese Darstellung in mehrfacher Hinsicht für Unfug und stellt fünf Argumente dagegen:

  1. Kritiker unterstellen, dass Homöopathie unwirksam sei. Wenn sie aber doch wirke, dann nur auf dem Weg über Placebo-Effekte. Die moderne Placebo-Forschung ihrerseits weist auf einen relevanten Stellenwert von Placebos in allen Bereichen der Medizin hin. Selbst wenn Homöopathie ausschließlich Placebo-Therapie wäre, hätte sie also dennoch eine Wirksamkeit! Dass Homöopathie mehr ist als Placebo-Medizin wissen aufgeklärte Patientinnen und Patienten aus eigener Erfahrung. Homöopathische Ärzte können bei sorgfältiger Verlaufsbeobachtung ihrer Patienten ausreichend sicher unterscheiden zwischen Placebo-Reaktion und einer darüber hinaus gehenden Wirkung der korrekt gewählten homöopathischen Arznei. Und nebenbei bemerkt: auch die Schulmedizin kennt Medikamente – z.B. manchen Antidepressiva – die selbst in Studien nur eine geringfügig bessere Wirkung als Placebos haben.
  2. Homöopathie als Heilmethode ist nicht gefährlicher als die konventionelle Medizin! Potentielle Risiken entstehen erst durch ihre Anwendung, Gefahr droht also vom Behandler und nicht von der Methode. Ein Hausarzt kann unter Umständen die Symptome einer Blinddarmentzündung oder eines drohenden Herzinfarktes fehldeuten und die erforderliche Diagnose und Therapie verzögern. Dasselbe kann einem homöopathischen Arzt passieren. Eine womöglich fatale Fehldiagnose ist also nicht die Folge von „Homöopathie“ oder „Schulmedizin“, sondern geht auf das Konto des jeweiligen Arztes.
  3. Ist die Sorgfalt in Aufklärung und Behandlung bei Homöopathen so viel schlechter als bei rein konventionell arbeitenden Medizinern? Wenn ein HNO-Arzt aus Bayern zum Kämpfer gegen die Homöopathie wird, weil er bei einem Kind Globuli aus dem Ohr fischen musste, dann ist daran nicht die Homöopathie schuld. Eher der Behandler des Kindes oder dessen Eltern, denen mangelnde Sorgfalt in der Aufklärung über Homöopathie oder deren korrekte Anwendung zur Last gelegt werden darf. Wenn eine Patientin ihr Spray zur Erweiterung der Herzkranzgefäße nicht auf die Zunge, sondern in ihre Achselhöhle sprüht, wie sie es von ihrem Antideodorant gewohnt ist, dann gilt der Vorwurf nicht der Schulmedizin, sondern dem Arzt, der seine Patientin nicht ausreichend über die Art der Anwendung informiert hat.
  4. Und noch eine Frage: Warum sollte die Zuwendung zur Homöopathie gleichbedeutend sein mit einer Abwendung von der herkömmlichen Medizin? Patienten sind heute kritischer als noch vor 20 Jahren, sie haben sich bei „Dr. Google“ belesen, sie kennen Nebenwirkungen von Medikamenten ebenso wie die Tatsache, dass in homöopathischen Kügelchen „eigentlich nix drin“ ist. Patienten sind selbstbestimmt und entscheiden über ihre Behandlung mit. Aufgabe von Ärzten und Heilpraktikern ist es, ihre Patienten möglichst kompetent zu beraten, aber manchmal auch vor einem Irrweg zu warnen! Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen die Homöopathie als Therapieoption nicht in Frage kommt. Und ebenso selbstverständlich gibt es Fälle, in denen Homöopathie viel effektiver ist als ein allopathisches Medikament. Viele Patientinnen und Patienten sind in Begleitung erfahrener Ärzte durchaus in der Lage, Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Therapieformen kritischer abzuwägen als viele Kritiker der Homöopathie!
  5. Homöopathische Ärzte sind ausgebildete Mediziner mit einer facharzt-ähnlichen Weiterbildung im Bereich Homöopathie. Homöopathisch gut ausgebildete Heilpraktiker können bei schwierigen Entscheidungen zu Diagnose und Therapie Ärztinnen und Ärzte hinzuziehen. Homöopathie und Schulmedizin sind keine Alternativen, die sich gegenseitig ausschließen. Therapiesicherheit entsteht aus der Kombination von medizinischem Wissen mit Erfahrung aus unterschiedlichen Therapierichtungen. Nebenwirkungen lassen sich reduzieren und Synergien lassen sich nutzen! Rechthaberisches Beharren auf der jeweils eigenen Position baut Mauern auf, ohne automatisch zu mehr Sicherheit zu führen. Ärzte oder Heilpraktiker sollten jederzeit den Mut haben, sich selbst im Interesse der Sicherheit ihrer Patienten kritisch zu hinterfragen: kenne ich die Diagnose meines Patienten? Wie weit komme ich mit meiner Behandlung? Wo haben meine Therapie und ich selbst als Therapeut ihre Grenzen? Gibt es Auswege? Wer könnte ergänzend helfen, meinen Patienten sicher ans Therapieziel zu führen? Und: kann es nicht auch eine für beide Seiten – Behandler und Patienten  – beglückende und befriedigende Erfahrung sein, in guter Kooperation ein Ziel zu erreichen, das nicht nur der Symptombeseitigung dient, sondern einer tatsächlichen Heilung nahekommt?

Unter diesen Umständen stellt sich das Argument der „Gefahr der Homöopathie durch Unterlassung“ als Schein-Argument heraus. Es taugt bestenfalls zur willkürlichen Verzerrung eines Diskurses um die Homöopathie, hat aber mit der Lebenswirklichkeit von mündigen Patienten und sorgfältig arbeitenden Ärzten und Heilpraktikern nichts zu tun.

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