Wie wird man homöopathische Ärztin, homöopathischer Arzt?

Akademisches Medizinstudium

Das Studium der Medizin leitet an zu wissenschaftlichem Denken und rationalem Erkenntnisgewinn. Im Mittelpunkt steht die Lehre der Krankheiten samt ihrer vielfältigen (u.a. biochemischen, genetischen, infektiologischen, physikalischen, psychosomatischen) Krankheitsursachen, Verläufe, Komplikationen und Interaktionen. Die Kenntnis pathophysiologischer Zusammenhänge mündet in eindeutiger Diagnose und daraus wissenschaftlich und empirisch abgeleiteter Therapie. Medizin bedient sich naturwissenschaftlicher Erkenntnisse, berücksichtigt aber auch Erfahrungswissen. Theoretische Kenntnisse und praktische Fertigkeiten formen ärztliche Kompetenz.

  • Fachärztliche Qualifikation

Viele Ärzt*innen durchlaufen zusätzlich eine mehrjährige Weiterbildung. Sie erweitert das Kompetenzprofil in Bereiche fachärztlicher Zusatzqualifikationen, z.B. Allgemeinmedizin, Innere Medizin, HNO, Augenheilkunde, Pädiatrie, Gynäkologie etc. Die Spezialisierung vertieft einerseits erheblich bestimmte Fachkenntnisse, kann aber gleichzeitig auch die Breite ärztlicher Kompetenz einengen.

  • Individuelle Voraussetzungen

Viele Ärzt*innen leisten in ihren Fachbereichen hervorragende Arbeit und geben sich mit ihren besonderen Kompetenzen zufrieden. Homöopathische Ärzte (wie auch solche, die sich mit Naturheilverfahren, TCM, Ayurveda, Arbeitsmedizin, Sozialmedizin etc. beschäftigen) treibt oft eine besondere Neugier, sie wollen über den Tellerrand der konventionellen medizinischen Zuständigkeit hinaus  schauen. Oft werden sie von Eltern geprägt, die selbst in der Vergangenheit ihre praktische Tätigkeit durch zusätzliche Qualifikationen wie z.B. Homöopathie ergänzt haben. Nicht selten geben Ärzt*innen eine gewisse Unzufriedenheit mit den begrenzten Erkenntnis- und Handlungsmöglichkeiten in der akademischen Medizin an.

  • Homöopathische Zusatzbezeichnung

Die Erlangung der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ setzt eine von den Ärztekammern anerkannte, curriculare Weiterbildung voraus. Diese umfasst zum einen die theoretischen Grundlagen und Anwendungsrichtlinien der Homöopathie, zum anderen deren praktische Anwendung unter Anleitung erfahrener und ermächtigter Ärzt*innen im Rahmen von Fall-Darstellungen inklusive Supervision eigener Patientengeschichten. Die Grundausbildung umfasst 100 Stunden Theorie sowie 4 Wochenkurse a 40 Stunden; eine erweiterte (Voll-)Ausbildung führt zum Homöopathie-Diplom des DZVhÄ und ist erreicht nach 300 Stunden Theorie sowie 6 Wochenkursen a 40 Stunden. Die Erlangung der Zusatzbezeichnung setzt das erfolgreiche Absolvieren einer Abschlussprüfung vor der jeweils zuständigen Ärztekammer voraus.

  • Homöopathische Fortbildung

 Wie in jedem anderen Bereich der Medizin wachsen auch in der Homöopathie Kompetenz und Erfahrung in der praktischen Anwendung. Essentiell ist in diesem Zusammenhang der weiterhin regelmäßige Besuch von homöopathischen Fortbildungen, Qualitätszirkeln oder Supervisions-Veranstaltungen. Da sich seit Hahnemann auch die Homöopathie weiter entwickelt hat, ist die Kenntnis von „Schulen“ wichtig, um deren Besonderheiten, aber auch ihre teilweise spekulativen Ausformungen kritisch bewerten zu können.

  • Interdisziplinäre Fortbildung

Homöopathische Ärzt*innen sind Spezialisten ihrer Methode, sie sind aber immer auch Ärzte, die auf dem Boden dessen stehen, was die konventionelle, moderne Medizin ausmacht. Der DZVhÄ-Landesverband Bayern bietet daher seit ca. 15 Jahren für alle Auszubildenden, aber auch sämtliche Mitglieder und interessierte Kolleg*innen, Fortbildungen unter dem Titel „Homöopathie im Dialog“ an. Hier bieten Experten der konventionellen Medizin den aktuellen Stand von Diagnostik und Therapie bei bestimmten Krankheitsbildern als fachliches update. Anschließend zeigen Fall-Beispiele aus der Praxis das konkrete Vorgehen bei derselben Krankheitsgruppe aus homöopathischer Sicht. Ziel ist es, dass alle ärztlich-homöopathischen Kolleg*innen jederzeit in der Lage sind, kritisch (und selbstkritisch!) abzuwägen, welche Therapie im Einzelfall größtmögliche Patientensicherheit, aber auch bestmöglichen Therapieerfolg verspricht.

  • Das Ergebnis

Ärzt*innen, die auf diese Weise ihre fachliche Kompetenz ausbauen und festigen sind jederzeit in der Lage, als Partner*innen der Patienten, aber auch als geschätzte Kolleg*innen in der Ärzteschaft ihren Beitrag zu einer soliden Patientenbetreuung in einem interdisziplinären Setting  beizutragen. Sie stehen dank ihrer fundierten Ausbildung und Qualifikation für ein konstruktives und kreatives Miteinander der Methoden und ihrer Anwender*innen im Interesse der Patient*innen. Berücksichtigung findet dabei vollumfänglich, was die moderne evidenzbasierte Medizin fordert: Solide Wissenschaft, ärztliche Erfahrung und die ausdrückliche Berücksichtigung der Wünsche individueller und mündiger Patient*innen.

Autor: Dr. med. Ulf Riker, Internist – Homöopathie – Naturheilverfahren

Wie man ein guter homöopathischer Heilpraktiker wird, lesen Sie hier.

Weitere Informationen zu Ärzten und Heilpraktikern.

 

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Font Resize